Teil eines Werkes 
7.-9. Bdchen (1846)
Entstehung
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Fürchte Dich nicht Conrin. Es iſt hier keine Ge⸗ fahr vorhanden, die uns ſchrecken könnte. Das Schelten der alten Kahija iſt das ſchlimmſte, was uns begegnen kann. Wir Bergmädchen ſind ſicher auf den Füßen, und furcht⸗ los, wie Du ſiehſt, auf dem Rande des ſteilſten Ab⸗ grundes. Aber wie Du ſagſt, es iſt die höchſte Zeit, daß wir nach Haus zurückkehren; wir werden ſonſt im Frauengemache vermißt und die alte Kahiſa könnte denken wir ſeyen für immer aus ihrer Grabesherrſchaft entflohen.

Als ſie aber umher ſchauten und in Zweifel waren, an welchem Theile der ſteilen Felſen ſie anfangen ſollten hinab zu ſteigen, fanden ſie, daß das Rückkehren nicht ſo leicht war, als Ina geſagt hatte; denn ſie hatten ſo viele Wendungen und Umwege gemacht, daß ſie den Weg nicht mehr entdecken konnten, auf welchem ſie an den Ort wo ſie ſtanden gelangt waren.

Es war ſchwer zu ſagen, wie ſie ihre gegenwärtige Stellung erreicht haben konnten, und ſie ſuchten umſonſt nach dem Wege. Endlich wagte Conrin auf einen nie⸗ deren, hervorſtehenden Felſen zu ſpringen, von welchem aus ein practicabler Fußweg hinab zu führen ſchien, als er durch ein Geſchrei von oben herab aufgeſchreckt wurde, und als er aufwärts ſah, erblickte er Ina in den Klauen eines rohen, wildausſehenden Mannes, der ſich bemühte, ſie nach dem ſteilen Felſen zu ſchleppen, während ſie aus aller Macht widerſtand, und ihren Pagen zu ihrer Hulfe herbeirief. Conrin bemühte ſich vergebens, den oberen Rand zu erreichen, denn die zarten Büſche und Stau⸗ den löſten ſich aus dem Boden ab, als er ſich an ihnen halten wollte, und er fiel wieder an den Ort zuruͤck, von welchem aus er mit ſo vieler Anſtrengung emporzuſteigen verſucht hatte.

Das Ausſehen des Mannes war in der That wild. Er war von gigantiſcher Höhe, ſein Geſicht mit ver⸗ wirrten, dunkeln Locken, die vom Kopfe herabhiengen, beinahe ganz bedeckt; er trug eine Mütze von ungegerb⸗ ten, braunen und weißen Ziegenfellen, deren lange Haare,