Teil eines Werkes 
7.-9. Bdchen (1846)
Entstehung
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erſtreckten ſich nicht weiter, als über den Beſitz eines neuen Schleiers oder Rockes, oder mehr denn alles, den Genuß, zu plaudern. Welche Freude konnten die jungen Mädchen daran finden, auf den ſchmutzigen Bergen oder feuchten Wieſen umher zu laufen? oder warum ſollten ſie tanzen oder ſingen, außer, um ihren Gatten und Herrn zu gefallen, da ja andere Perſonen bezahlt wer⸗ den, um vor ihnen zu tanzen und zu ſingen?

Ihre Eltern hatten ſie, als ſie jung war, und große Schönheit verſprach, an einen türkiſchen Sklavenhändler verkauft, und mit aufrichtiger Freude im Vorgenuß der Neuheit und Pracht des großen Stamboul gieng ſie an Bord des Schiffes, das ſie von ihren Freunden und ihrem Lande weg führen ſollte. Anfangs war ihr der Zwang unbehaglich, doch bald verſöhnte fie ſich mit ihrem ſelbſt gewählten Looſe und lernte bald die Einrichtungen des Harems, in welches ſie kam, billigen. Als ſie da⸗ her nach dem Tode ihres Herrn in ihr Vaterland zurück⸗ kehrte, war ſie ſehr gegen die Freiheit, und wie ſie es nannte, die Leichtfertigkeit der Frauen ihres Landes, und erhob die Sitten und Gebrauche der ſchönen Ge⸗ fangenen in den Harems von Stamboul über alles. Gleich anderen Frauen, die finden, daß ihre Reize nicht mehr länger feſſeln können, war ſie oft wunderlich und

launiſch, doch behandelte ſie die junge Waiſe immer mit

Liebe und Sorgfalt.

So war die alte Amme, Kahija, die in ihr Feridji gehüllt in das Frauengemach trat um mit ihrem Geplau⸗ der die Unterhaltung der beiden Mädchen zu unterbrechen. Sie freute ſich zu plaudern welche alte Amme thut es nicht? Beſonders eine türkiſche. Sie kam nun athem⸗ los von einem Beſuche in einer benachbarten Hütte zu⸗ rück um die Nachricht zu bringen, daß der oberſte Schäfer eben von den fernen Bergen zurückgekehrt ſey, wo er den finſtern Bergkhan Khoros Kaloret, den Bruder jenes Verräthers, den der junge Häuptling Selem erſchlagen,

Der Tſcherkeſſen⸗Häuptling. III. 2