16
nungslos hatte ihn der alte Mann betrauert, denn er hatte nun keinen Krieger zum Nachkommen, der ihm im Namen und in den Beſitzungen hätte folgen können, und Keinen, der ſein Kind vor Gefahren ſchützen konnte. Nach ſeinem Tode würde ſie wahrſcheinlich den Aelteſten ſeines Stammes als Frau zufallen, ohne daß man ſie vorher befragte, ob ſie auch das Herz mit der Perſon geben könne. Ihr Schickſal wäre dann ein grauſames. Es würde ein neuer Häuptling gewählt, um den Clan in der Schlacht und im Frieden zu leiten, bei den Be⸗ rathungen zu präſidiren, und die arme Zara würde dann wahrſcheinlich vernachläßigt.
Dieß waren die Befürchtungen des ſchönen Mädchens über ihre Zukunft, und ſo fanden beide Freundinnen gegenſeitig Troſt, indem ſie ihre Herzen und Schmerzen ganz vor einander ausſchütteten. Sie vertraute ihr an, daß Einer ſie wohl gewinnen könne, und daß ſie auch von dieſem glaube, er liebe ſie; er habe aber kein Ver⸗ mögen, und bis jetzt noch keinen großen Ruf in den. Waffen. Dann flüſterte ſie ihrer Freundin in's Ohr, es ſey der wackere, junge Alp, den ſie ſo innig liebe, ob⸗ gleich ſie nur ſehr wenig Gelegenheit gehabt habe, ihn zu ſehen..
Da der alte Prinz Aitek Tcherei ſehr ſtrenge an den Gebräuchen des Islam's hieng, ſo waren die beiden Mädchen ſrenger abgeſondert, als es Ina bisher gewöhnt war; die alte Ana oder Amme, welche den häuslichen Angelegenheiten des Frauengemachs vorſtand, hielt eine beſtändige und ſtrenge Wache über ſie. Obgleich der Gebrauch des Landes es nicht erlaubte, daß ſie ſo be⸗ ſchränkt und ſtreng abgeſchloſſen waren wie in einem tür⸗ kiſchen Harem, ſo war es doch ein Schrecken für die Amme, daß Ina öffentlich erſchien, ohne ihr Geſicht ganz mit einem dicken Schleier zu bedecken, und ſie konnte ihre Neigung, durch Wälder und zwiſchen den Felſen heru zu ſtreifen, durchaus nicht billigen.
Die Ideen der alten Kahija über weibliches Glück


