Teil eines Werkes 
7.-9. Bdchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

deren Blut ſie verſpritzen ſind ihnen nichts. Was iſt ihren tauben Ohren das Geſchrei der Waiſen, die Klage beraubter Wittwen. Es gibt reiche ſchöne Länder außer unſerem, nach welchen ſie gerne ihre Klauen ſtrecken möchten, um ſie ihren weitläufigen mit Sklaven bevöl⸗ kerten Ländern einzuverleiben. Sie fürchten ſich aber vorzudringen, und in ihrem Rücken einen Fleck unerober⸗ ten Bodens, wie unſer eigenes Land, zu laſſen, weil wir ſie verhindern könnten, mit Beute beladen in ihre Heimath zurückzukehren. Wir gleichen einem Kaſtell in einer Ebene, das von Marodeurs belagert wird, und das ſich ſo lange die Vorräthe reichen, gegen ein ganzes Heer ſolcher Feinde vertheidigen kann; und dieß werden wir auch ſo lange tyeue und brave Herzen in Tſcher⸗ keſſten ſchlagen. Aber nun Ina verbanne ſolche traurige Gedanken; ſehe, wir ſind nun in eine ſchöne heitere Landſchaft gekommen.

Als Selem dieß ſagte, ritten ſie aus der finſteren Schlucht hinaus in ein breites ausgedehntes Thal, das in der That ſo breit war, daß man es eine Ebene nen⸗ nen konnte. Es war von Bergen umgeben, die ſich all⸗ mälig in wellenförmigen Hügeln erhoben und die Seiten des weiten Amphitheaters bildeten. Grüne Weiden, reiche Kornfelder, und zwiſchen ihnen Gruppen edler Bäume bedeckten die Oberfläche; und eine große Anzahl von Hütten, die von Ställen, Meiereien, Scheunen und Gärten umgeben waren, vollendeten dieſes anmuthige Bild.

Sehe Ina, rief ihr Bruder begeiſtert aus,ver⸗ ſcheuche die trüben Ahnungen aus Deinem Geiſte, denn wir ſind ſicher durch dieſe wilde Schlucht gekommen, und welche liebliche Scene iſt nun vor unſere Augen getre⸗ ten! So mag es auch mit unſerem Lande ſeyn. Wir mögen noch helle ruhmvolle Tage über Tſcherkeſſien ſchei⸗ nen ſehen, wenn es von den dunkeln Flügeln des ruſſi⸗ ſchen Adlers befreit iſt.

Die Gegend, durch welche ſie nun kamen glich einem prächtigen Parke oder dem Landgute eines reichen Edel⸗