Teil eines Werkes 
7.-9. Bdchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

fen Schluchten auszeichnete. Die Cavalcade zog durch ein wildes Thal, in welchem die Felſen ſo überhäugend waren, daß ihre Köpfe keinen Augenblick vor dem Ein⸗ ſturze derſelben ſicher ſchienen. Licht und Helle fanden kaum Intritt in daſſelbe, und die Luft war feucht und ſchwer von dem Waſſer, das von den mit Moos bedeck⸗ ten Felſen herabträufelte. Ein bedrückendes Gefühl be⸗ mächtigte ſich der ganzen Geſellſchaft eine Ahnung von Böſem. Gefahren in unbekannter Geſtalt ſchienen ſie zu brdrohen. Selbſt die Heiterkeit des Hadji wurde gedämpft; ein Schauer befiel ſeinen Geiſt. Er warf einen zärtlichen und ängſtlichen Blick auf ſeinen Sohn Alp, als er einen Augenblick an die Gefahren dachte, welchen er dieſen ausſetzen wollte.

Warum biſt Du ſo ſtille, meine Schweſter? ſagte Selem, der an Ina's Seite ritt,warum ſchleicht ſich der Schatten der Traurigfeit über Deine noch vor Kur⸗ zem heiteren lächelnden Züge?

Ich weiß es ſelbſt kaum, warum ich traurig bin, Selem, erwiederte das hübſche Mädchen;ich dachte an die Gefahren, denen unſer edler Vater beſtändig aus⸗ geſetzt iſt und daran, daß Du mein neu gefundener Bru⸗ der nun ſchon wieder von mir geriſſen wirſt und ein Leben voll Beſchwerden und Mühſeligkeiten führen mußt. Ich dachte an das Elend unſeres Landes, daß unſere Wohnungen und Felder zerſtört, unſere Väter und Brüder erſchlagen werden, und daran, warum wohl Allah Männer geſchaffen hat, die ſchlecht genug ſind um ſolche Thaten

zu vollbringen. Sage mir mein Bruder, warum greifen

die Urus unſer Land an? warum wollen ſie uns unſere geringen Wohnungen und unſere felſigen Berge nehmen, wenn ſie Ueberfluß an Land haben, auf welchem mäch⸗ tige Städte ſtehen?

Die Begierde nach Macht und Eroberung, von welcher Du Dir keinen Begriff machen kannſt, erwie⸗ derte Selem.Sie bekümmern ſich wenig darum unſere heimathlichen Berge zu beſttzen, und die edeln Herzen,