Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchen (1846)
Entstehung
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und alle Verbindung mit den Dörfern, in deren Nähe fie ſich zeitweiſe aufhalten mußten, vermieden.

Während der Reiſe ritt Ivan an die Seite des Mädchens, denn dieſe ſchien traurig und niedergeſchlagen. Nach mehrerem anderem ſagte ſie zu ihm:

Mein Herr, Sie gehen einem bewegten, unruhigen Leben entgegen, in welchem alle Ihre Gedanken und Hoffnungen concentrirt ſind, und wo Sie bald die ver⸗ geſſen werden, welche Sie verlaſſen, und die ſo gerne ihr Leben gelaſſen hätten, um Ihnen zu dienen; aber glauben Sie mir, hier iſt Eine, die den Beiſtand, den Sie ihr leiſteten, und die Tapferkeit, mit der Sie ſie vertheidigten, nie vergeſſen wird, die

Ebenſowenig kann ich Eine vergeſſen, der ich Leben und Freiheit verdanke, rief er aus;nein, noch viel mehr, die mir es möglich machte, einen feierlichen Schwur, den ich that und deſſen Erfüllung ich ſo unbedachtſamer Weiſe auf's Spiel geſetzt hatte, zu vollbringen.

Ihre Unterredung wurde hier durch die Rückkehr des Häuptlings unterbrochen, welcher neben Ivan hinritt.

Den folgenden Tag in aller Frühe kamen Ivan und ſein Führer in einer ſo vollſtändigen Verkleidung aus ihrem Zelte, daß gewiß Niemand in den beiden alten Bauern, die ſie nun zu ſeyn ſchienen, die ernſten aber hübſchen, jungen Männer, die ſie wirklich waren, erkannt hätte. Ihre Haut war röthlich geſchminkt und Falten auf Stirn und Backen gemalt worden; ihr eigenes, dunkles Haar bedeckten rothhaarige mit grau vermiſchte Locken; lange, ſtarke Bärte von derſelben Farbe fielen über ihre Bruſt bis auf die Weſte herab, und große, ſchwere Hüte verbargen ihre Züge noch mehr. Sie trugen lange, dunkle Ueberröcke und ſchaflederne Mäntel; rohe Stiefel von ungegerbtem Leder bedeckten ihre Füße, unb an ih⸗ rer Seite hiengen Quertaſchen, um ihre Nahrung auf⸗ zunehmen. In ihren Händen trugen ſie dicke Stöcke, wie es ſchien, um ihren ſchwankenden Gang zu unter⸗