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Verſtand und Uriheil meſſen, da ich wohl weiß, daß ſte immer einen guten Grund zu ihren häufigen Ausflügen gus dem Lager hat, und daß ſie immer im Intereſſe der Gerechtigkeit und Menſchlichkeit handelt, ſo ſuche ich nicht mehr von ihr zu erfahren, als was ihr ſelbſt recht dünkt, mir zu ſagen; ich weiß wohl, daß ich ihr trauen kann.“
Obgleich die Züge und Geberden ihrer Wirthe die Begierde ausdrückten, etwas Näheres vom Abenteuer zu erfahren, ſo erlaubte doch die Gaſtfreundſchaft nicht, mit den Gäſten davon zu ſprechen, bis die Mahlzeit beendigt war, worauf jene die Begebenheiten, die zur Befreiung ihrer Tochter beigetragen hatten, erzählten. Während ſie ſprachen, trat der Gegenſtand ihrer Unterhaltung in das Zimmer, näherte ſich dem Vater und küßte ihm ehr⸗ erbietig die Hand, dann verneigte ſie ſich mit auf dem Buſen gekreuzten Armen gegen ihre Gäſte, und blieb mit niedergeſchlagenen Augen neben denſelben ſtehen. Der Vater betrachtete ſie mit zärtlichen Blicken, wäh⸗ rend die jungen Männer kaum ihre Bewundernng ver⸗ bergen konnten. †. 9
„Kann dieſes zurückhaltende, beſcheidene Geſchöpf,“ dachte Ivan,„dieſelbe ſeyn, welche vor ganz kurzer Zeit erſt ſo viel Muth und Entſchloſſenheit zeigte?“ Keiner der zwei Freunde konnte geraume Zeit Worte finden, ſie anzureden; denn ſie fühlten, daß Schmeicheleien und Complimente bei einem ſo erhabe⸗ nen Geſchöpfe nicht am Platz geweſen wären; ihr Vater half ihnen ſelbſt aus der Verlegenheit.
„Jetzt, da unſere Gäſte von unſerem Brode gegeſſen und aus unſerem Becher getrunken haben, verlange ich von Dir, mein Kind, eine nähere Erklärung der Um⸗ ſtände, welche Deiner Befreiung vorangingen. Ich be⸗ ſchränke mich darauf, zu erfahren, wer es gewagt hat, einem der Kinder unſeres Stammes eine ſolche Beleidi⸗ gung zuzufügen; wer es auch immer ſey, er ſoll der


