Teil eines Werkes 
1.-3. Bdchen (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

. 20 Die einzige Perſon, welche im Zelt war, als die

Fremden eintraten, war eine hübſche Frau, welche der

Zigeuner ihnen als ſein Weib vorſtellte. Sie war emſig mit häuslichen Arbeiten beſchäftigt, welche ſie aber ver⸗ ließ, um ihre Gäſte zu empfangen, was ſie mit einem Anſtande that, der einem hochgebornen Fräulein Ehre gemacht hätte; dann ſchritt ſie zur Bereitung der Abend⸗ mahlzeit.

Ein paar Kiſten wurden vorwärts geſchoben und mit Brettern bedeckt, wodurch ein vortrefflicher Tiſch gebildet wurde; dieſer war bald mit einem Ueberfluß von kalten Speiſen, Geflügel und Wildpret verſchiedener Art, grobem aber gutem Brode, und einer Bouteille Quaß bedeckt, dem gewöhnlichen Getränke der Gegend, das aus Malz bereitet wird: auch noch ſtärkere Geiſter fehlten nicht, um die Gäſte aufzumuntern.

Der Wirth bat die jungen Männer, ſich zu Tiſch zu ſetzen, während er und ſeine Frau dafür ſorgten, daß nichts fehlte, und ſich nicht bereden ließen, die Mahlzeit mit ihnen zu theilen. Er erwiederte nur:es iſt unſere Pflicht, Sie zu bedienen, ſo lange unſer Zelt durch Ihre Gegenwart beehrt wird, und ich bitte Sie, meine Herren, die Abweſenheit meiner Tochter Azila zu ent⸗ ſchuldigen; ſte hat ſich zu den anderen Mädchen des

Stammes zurückgezogen, um ſich von der Anſtrengung

zu erholen; ihre Blicke verrathen nur zu ſehr, was ſie gelitten hat. Ich geſtehe, ich kenne die Einzelnheiten ihres Abenteuers immer noch nicht; es genügte mir vor der Hand, zu wiſſen, daß Sie einer für mich ſo theuern Perſon eine Wohlthat erwieſen haben.

Ihre lange Abweſenheit machte mich in der That beſorgt, da ſie mich nicht von ihrer Abſicht, das Lager zu verlaſſen, benachrichti t hatte, obgleich ich ihr in ihren Ausflügen, von denen oft Niemand im Stamm etwas weiß, freies Spiel laſſe, und ſie gewohnt iſt, ungefragt zu gehen und zu kommen. Azila iſt ein ganz eigenes Mädchen, und wenige können ſich mit ihr an