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das Ihrige an!“— redete er mich beym Empfang an—„Ich habe weder Kinder noch Verwandte; für mich und meine Haushälterinn langt das, was ich täglich an milden Gaben erhalte.“
„Sie können leicht denken, lieben Freunde, daß zch in meiner damahligen Lage kaum wußte, ſollte ich den Mann für einen zunzeitigen Spaßma⸗ cher, oder für verrückt halten. Doch ſehr bald über⸗ zeugte er mich eines andern. Indem er mich bath, mich einiger aufgetragenen Erfriſchungen zu bedie⸗ nen, hob er unter der Diele einen gewichtigen Topf hervor und ſetzte ihn mit immer ſich gleich bleiben⸗ der Freundlichkeit, gleichſam zum Deſert, auf den Tiſch.“—„Langen Sie zu, mein Herr!“— ſagte er mit aufblitzender Freude in ſeinen ſonſt finſtern Augen—„Hierin ſind gegen fünfhundert Stück vollwichtige Louisd'or: alles, was ich an ba⸗ rem Gelde beſitze! Sollten Sie mehr brauchen, ſo——
„Er nahm bey dieſen Worten den Deckel vom Topfe; denken Sie ſich mein Erſtaunen, als ich das Gefäß in der That faſt bis zum Nande mit Goldſtü⸗ cken angefüllt ſah.“
„Verkennen Sie mich nicht!“— fing mein ehr⸗ licher Jaques wieder an—„Ich bin kein gemeiner Bettler, der das Handwerk aus Hang zum Mü⸗ ßiggehen treibt und Dürftigern die fromme Gabe der Mitleidigen ſtiehlt. Ich bin von edler, doch ar⸗ mer Geburt, und ward, früh verwaist, in meinem


