202 te. Auch mich, wie alle Vorübergehende, ſprach er um eine Gabe an. Nicht aus irgend einem beſondern Mitleid, ſondern um mich nicht aufzuhalten, und weil mir ſein Weſen gefiel, warf ich ihm jedes Mahl, wenn ich ihn ſah, einen Sou in den Hut. Dieß ward mir und ihm mit der Zeit zur Gewohnheit, ſo oft ich vorbeyging, fuhr ich wie von ſelbſt in die Ta⸗ ſche, obwohl, wenn ich es auch unterlaſſen hätte, er mich ſchwerlich erinnert haben würde. Er wünſchte mir immer— ich kann wohl ſagen, auf eine recht vernünftige Weiſe— alles mögliche Gute, verkün⸗ digte mir zuweilen die Neuigkeiten des Tages, warute mich ſogar dann und wann; kurz, wir ſtanden nach einem halben Jahre faſt in dem Ver⸗ hältniſſe von guten Bekannten, die ſich zwar an Stande ungleich, an gegenſeitiger Zuneigung aber gleich ſind.“. „Mein Aufenthalt zu Paris verſtrich mir ſehr augenehm, ich darf auch ſagen, nicht ohne Nutzen. Ich lebte ſo anſtändig, als es meine Einkünfte ver⸗ ſtatteten, aber nie verſchwenderiſch, nur kurz vor meiner Abreiſe ward ich in den Umgang mit einigen jungen Leuten verwickelt, und durch ſie, ſo ſehr ich mich bis dahin davor gehütet hatte, erſt zum kleinen, bald auch zum größern Spiel verleitet. Meine Vernunft ſagte mir, an welchem Abgrunde, ich ſtehe; allein mißverſtandenes Ehrgefühl, die Hoff⸗ nung, meinen Verluſt zu gewinnen, ein unzeitiges Vertrauen gegen meine Geſellſchafter, und mein
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