Teil eines Werkes 
4. Theil (1815) Ausgewählte Erzählungen
Entstehung
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Papa, der ſich vor der Hand nichts als Bisquit und

Limonade ausbath, eine Bank unter einer allein ſte⸗ henden Linde zu ſeinem Ruheſitzchen erkor, und ſich von aller Geſellſchaft, die ihn, und die er nicht verſtand, möglichſt entfernt hielt. Nur erſt, da die Zeit zur Abendtafel herannahte, ſtellte man Be⸗ rathſchlagung an, ob man wohl dem Fremden eine Marſchallstafel decken laſſen dürfe; was jedoch, da er ſich durchgängig als einen Mann vom beſten Tone gezeigt hatte, als unſchicklich verworfen ward.

Auch fand der Alte die Einladung zur Tafel ganz in der Ordnung, hinkte mit möglichſtem Anſtand nach dem Eßſaal, und pflanzte ſich ſogar mit nicht geringer Gewandtheit, einem jungen Lieutenant recht zum Trotz, zwiſchen deſſen ſchöne Couſinen, zwey der volleſten und kerngeſundeſten Landfräuleins, die aber kein Wort Franzöſiſch verſtanden.

Die heiterſte Fröhlichkeit bemeiſterte ſich aufs neue aller Herzen; niemand bekümmerte ſich um den alten Franzoſen, deſſen einziges Auge den jungen Nachbarinnen bey jeder ſchicklichen Gelegenheit ſehr verbindliche Dinge ſagte; jeder ſprach und ſcherzte laut oder leiſe, wie es ihm gut dünkte, und nur da richteten ſich ſchnell alle Augenach dem Brautpaa⸗ re, als ein aufwartender Bedienter dem Bräutigam ein wohl verſiegeltes Kiſtchen überreichte, das ſo eben ein Bothe gebracht habe.

Die ganze Geſellſchaft, einen Scherz vermu⸗ thend, beſtand auf alsbaldiger Eröffnung. Otto

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