179 dacht zu ziehen,—„Gott, wo bin ich?“— ſagte ſte, und warf die Augen umher. Ich nannte ihr meinen Nahmen. Sie ergriff heftig meine Hand.—„O retten Sie mich:— bath ſie weinend—„Gott! mein Vater! meine Ehre! Schrecklich! was wird man von mir denken?“
Ich beſchwor ſie auf das zärtlichſte, ſich zu be⸗
ruhigen. Ich und der jüngere Graf O. entdeckten
uns dem Anführer der Polizeywache. Er kannte den Grafen und die ſchöne Wirthstochter von Anſehen. Wir verſprachen, uns zu jeder Zeit vor Gericht zu ſtellen, und erhielten die Erlaubniß, Sibyllen nach Hauſe zu bringen. Man verſchaffte uns einen Wa⸗ gen. Die übrigen Arreſtanten, die vorgebliche Moh⸗ rinn und ihre Geſellſchaft, ingleichen einer unſerer Bedienten mit verſchiedenen, ſchon längſt verdächtig geweſenen Perſonen, wurden in das Stadtgefäng⸗ niß abgeführt.
Ich und mein wackerer Däne, Dem ich wahr⸗ ſcheinlich mein und Sibyllens Leben verdankte, brach⸗ ten die noch immer ganz Troſtloſe gegen Morgen zu ihrem Vater, den wir eben mit ſeiner Hausehre bey dem heftigſten, in thätliche Mißhandlungen aus⸗ brechenden Wortwechſel antrafen. Er beſchuldig⸗ te ſie der Verkuppelung ſeines Kindes, und glich einem Wüthenden. Sein Zorn ging in die lauteſte Freude über, als er Sibyllen wieder in ſeine Arme ſchloß. Wir riethen ihm, vor allen Dingen für ihre


