3 7. 171 Mein Zögling machte anfänglich bey dieſer Vor⸗ haltung große Augen, erzwang zuweilen ein vor⸗ nehmes Lächeln, und geruhte zuletzt die artige Wirthstochter eine Närrinn zu ſchelten. Er ver⸗ ſchluckte die Pille, ſo gut es ihm möglich war; doch ſiel es ihm ſchwer, ſeinen Arger zu unterdrücken, und ich ſelbſt wurde ihm von nun an wieder ein Dorn im Auge. 3. 4 Hatte ich nun auf dieſe Weiſe der guten Si⸗ bylle ſo ziemlich Ruhe verſchafft, ſo erregte ſie mir zum Dank dafür deſto mehr Unruhe. Ich fühlte zum erſten Mahle die Noth eines Verliebten in vollem Maße, und wußte es recht gut ſo einzurichten, daß ich manches Mahl von ihr einen Gruß oder einige freundliche Worte davon trug. Auch ſchien ſte mir dieß nicht eben zu erſchwe⸗ ren. Sie ſtand jetzt, wenn ich kam, weit uͤfter als ſonſt mit dem feinen Vortuch am Anrichttiſch, und hatte immer, wenn ich früher, als andere, mich einſtellte, an der Tafel noch einiges zu ordnen. Brachte ich ihr, was nicht eben ſelten geſchah, ei⸗ nen Blumenſtrauß mit, ſo konnte ich darauf rech⸗ nen, daß ſie ihn mit ſüßem Lächeln vorſteckte. Da⸗ gegen erhielt ich eben ſo oft beym Nachtiſche irgend eine ſchöne Frucht aus ihren Händen„was mir denn ihre vertraute Magd getreulich verrieth. Kurz, wir wechſelten mit allerhand Höflichkeiten, die, ohne ge⸗ rade verbindlich zu machen, doch gegenſeitige Zunei⸗
Lung verrathen, und hoffentlich Dir, theurer En⸗
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