22 Er lernte nach einigen Jahren ein ſittſames,
reitzendes und wohlhabendes Mädchen kennen, der
er, und die ihm, von Herzen gewogen ward. Oh⸗ ne Zweifel hätten die Altern nichts einzuwenden ge⸗ habt; doch Ferdinand fetzte ſich vor, nicht eher um ihre Hand anzuhalten, bis ſeine neueſte Abhand⸗ lung— über die Gynecäen der Perſer und Meder — vollendet ſeyn würde. Dieß verzögerte ſich von Monath zu Monath. Endlich ward die Abhandlung fertig, ja ſogar von einer Akademie gekrönt! Jetzt dachte Ferdinand ernſtlich an einen noch lieblichern
Lohn, und erfuhr mit großem Erſtaunen, daß die
Auserkorne, gerade in dieſer Woche, ihren glück⸗ lichen Gatten mit dem erſten Söhnlein erfreut habe!
Drey Jahre ſpäter führte ihn der Zufall mit einer noch ſehr hübſchen Dreyßigerinn zuſammen,
die von jedermann für ſehr brav, für ſehr klug, für
fehr haushälteriſch, gehalten ward. Er ſelbſt glaub⸗ te, mit ihr gewiß glücklich zu werden, und war feſt
entſchloſſen, ſie morgenden Tags um das Jawort
zu bitten, als ſie bei einer Gevatterſchaft, wozu
auch er eingeladen ward, nach ſeiner Meinung et⸗
was zu frey gekleidet erſchien. Dieß lief ſeinem Sy⸗
ſtem ſchnurſtracks entgegen; er gab augenblicklich; je⸗
den Gedanken an ſie auf. Abermahls nach drey Jahren ließ ihm eine rei⸗
che, noch ſehr liebenswürdige Witwe ihre Hand an⸗ tragen. Alle ſeine Freunde riethen ihm zu; er ſelbſt ſah dieſe Perbindung für eben ſo ehrenvoll, als
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