Teil eines Werkes 
4. Theil (1815) Ausgewählte Erzählungen
Entstehung
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19 That ein wenig übereilt, und— wenn auch Amalie krank war, warum ſchrieb nicht wenigſtens ihr Va⸗ ter, ihre Mutter?

Noch bänglicher ward ihm ums Herz, als er in Hamburg auf eingezogene Erkundigung erfuhr, daß Herr L. vor einiger Zeit inſolvent verſtorben ſey, und der, bloß in ſein Inneres verſchloſſene Kummer machte ihm ſogar die Trennung von ſei⸗ nen Reiſegeſellſchaftern und von ſeinem Zöglinge weniger fühlbar. Mit immer ſteigender Ungeduld ſah er die Thurmſpitzen des heimathlichen Muſenſi⸗ tzes aus den Gebüſchen hervorragen; kaum ausge⸗ ſtiegen, eilte er in das L— ſche Haus, und fand es von Fremden bewohnt! Seine nähern Bekannten bedauerten ihn, wegen Verluſts eines bei L. ſtehen gehabten Capitals; er erfuhr, daß die Mutter in ein entferntes Städtchen zu einer Verwandtinn ge⸗ zogen, Amalie aber, kurz vor Ausbruch des Ban⸗ kerotts, mit einem holländiſchen Hauptmann auf und davon gegangen ſey.—

Kaum vermochte er bey Hinterbringung dieſer Nachricht ſeine Faſſung zu behalten. Er hatte Ama⸗ lien für ein gutes Mädchen gehalten; er hatte ſie redlich geliebt. Daher war auch ſein Schmerz tief und innig, und nur angeſtrengte Beſchäftigung, noch mehr aber, eine nähere Kenntniß von Dingen, wovon er vorher, theils weil man ſeine Verbindung nicht kannte, theils weil man ihn für einen Haus⸗ freund und mit dieſen Umſtänden längſt für bekannt