10 tenden Amoretten, umgaukeln, wenn er ſich zum erſten Mahl geliebt weiß, kehrte Ferdinand erſt ſpät nach Hauſe, und ſeine Träume waren nur Fortſe⸗ tzungen der angenehmen Begebenheiten des verfloſ⸗ ſenen Tages. Doch als er zur gewohnten Stunde erwachte und am geöffneten Fenſter die kühle Mor⸗ genluft einathmete, da ſchien auch die ihm ſonſt gewöhnliche, kühlere Überſicht der Dinge bey ihm wieder einzukehren, und, ſo ſehr das Herz ſich ent⸗ ſchuldigte, ſo behielt doch am Ende der Verſtand
voöllig die Oberhand. Jetzt erſt ſiel es ihm bey, daß er ſich vor allen Dingen um ein Amt bewerben
müſſe; jetzt erſt wunderte er ſich über die Nachgie⸗
bigkeit der Altern in ſeine und Amaliens, doch ein 4 wenig unbedachtſame, Wünſche; jetzt ſchien es ihm ausgemacht, daß er ſeinen Geiſt noch in mancher⸗
ley Hinſicht anbauen und bereichern müſſe, und bald war es ihm klar, daß unter einigen Jahren an ei⸗
4 ne Heirath ſchwerlich zu denken ſey. Seine Unruhe. wuchs, da er auf einer Seite an Amaliens ſchon mannbares Alter, auf der andern an die Unmög⸗ 5
lichkeit dachte, von ihren Ältern, auch wenn ſie da⸗ zu bereit wären, für ſich ſelbſt eine Unterſtützung anzunehmen, und er hätte wohl noch lange ſich mit Zweifeln und Entwürfen gepeinigt, wäre nicht in dieſem Augenblicke, ganz wider Gewohnheit, der Conſiſtorialrath ſelbſt eingetreten, der ihm, mit ei⸗ nem Glückwunſche zu Erlangung der jüngſt erle⸗ digten Profeſſur, einen Brief des Miniſters G.


