280 Seele liegt. Es koͤnnte doch wohl der Fall ſeyn, daß wir dich zum Theil erriethen, und auch manches dir zu entziffern im Stande waͤren.* Henarez konnte ſich bey den fuͤßen Bitten und Liebkoſungen der reitzendſten Braut unmoͤg⸗ lich einer Taͤuſchung ſchuldig machen, und ent⸗ deckte ihr, wiewohl mit der groͤßten Behuthſam⸗ keit, ſein ſonderbares Geſicht am Marmorbrunnen und vor dem Altar, erzaͤhlte ihr von den Toͤnen und Geſaͤngen in der Hoͤhe und Ferne, und ver⸗ ſchwieg ſogar nicht, daß Mariani gewiſſer geheimer Stimmen erwaͤhnt habe, an welche Medora glaube. „Ich will dir Alles ſagen, du uͤber Alles Geliebter, was ich ſelbſt weiß“— erwiderte Medora nicht ohne einige Baͤnglichkeit— „das Uebrige magſt du dir, ſo gut es angehen will, ſelbſt erklaͤren, wenn du nach mir auch Irenen gehoͤrt haben wirſt. Meine Ueberzeugung dringt mir allerdings den Glauben an eine mirr ſelbſt unerklaͤrliche Verbindung meines Weſens mit der Geiſterwelt auf. Wie es zugeht, iſt mir ſtets ein Geheim⸗ niß geblieben; aber ſo viel iſt entſchieden, daß ich zuweilen in einen kurzen, gewaltſamen Schlaf falle, der ſich durch ein mich umgebendes Daͤm⸗ merlicht und durch unbeſchreiblich liebliche Toͤne jederzeit ankuͤndigt. Mehrmahls habe ich ver⸗
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