Teil eines Werkes 
3. Theil (1815) Ausgewählte Erzählungen
Entstehung
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277 das Geſicht mit dem Schleyer und weinte; He⸗ narez Auge weilte entzuͤckt auf der reitzenden Braut, und ſiel dann, faſt unwillkuͤhrlich, wieder auf das Altarblatt, das ſchon beym Oeffnen der Thuͤr ſeine Aufmerkſamkeit gefeſſelt hatte. Es war von Meiſterhand eine Geſchichte des alten Teſtaments, eine Hagar in der Wuͤſte dar⸗ auf vorgeſtellt, und ungeachtet der davon haͤn⸗ genden Ampel, ſchien doch alles Licht von dem himmliſch ſchoͤnen, der armen Verſchmachtenden einen Waſſerquell zeigenden Engel auszugehen, der dem bezauberten Braͤntigam auf das auffal⸗ lendſte Medoren zu gleichen ſchien.

In dieſem feyerlichen Augenblicke glaubte der liebende Schwaͤrmer ſeine Medora auf's nene gedoppelt zu ſehen, und waͤre vielleicht noch ſo bald nicht aus ſeiner Traͤnmerey erwacht, haͤtte nicht Irene ſeine Hand gefaßt, und die ſich anſchmiegende Medora ſanft in ſeine Arme gelegt.„Geh' denn, geliebte Tochter!o— ſprach ſie, und konnte den Lauf ihrer Thraͤnen nicht mehr hemmen—„geh' von dem Buſen der Mut⸗ ter in die Arme des Heißgeliebten. Er wird dich lieben, wie ich dich liebte, und dieß— alle Hei⸗ ligen und ſelbſt den frommen Schatten der ver⸗ ewigten Helena ruf' ich zu Zeugen!— iſt der ſchoͤuſte Segen, den ich dir auf deinem Wege zum Altar geben kann!“

Unterhalt. Biblioth. 12. B. M

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