275 In der Capelle werdet ihr mich beym Gebet finden.“ Freudetrunken eilte Henarez nach dem weißen, im Morgenroth blinkenden Pallaſt, und bemerkte ſchon von fern auf dem platten Dache die Negerinn, die ihn zu erwarten ſchien, und, ſobald ſie ihn gewahrte, von dem Soͤller herab ſtieg. Noch ehe er durch den Saͤulengang in den Saal trat, kam ſie ihm entgegen, und bat, ein wenig hier zu verziehen, weil Medora und Irene erſt vor kurzem das Bad verlaſſen haͤt⸗
ten, und jetzt im Putzzimmer ſich ankleideten.—
Nach kurzem Verzug, der freylich dem ſehn⸗ ſuchtsvoll Harrenden eine Ewigkeit duͤnkte, kamen ſie endlich auf ihn zu, Irene, eine hohe Ge⸗ ſtalt, deren einfache weiße Tracht, bloß durch ein violetſammtnes, goldgeſaͤumtes Oberkleid et⸗ was gehoben, die Wuͤrde des Jungfrauenſtandes mit muͤtterlicher Milde vereinigte, und Me⸗ dora, die himmliſch ſchoͤne Medora— o, ſollte Henarez ſeinen Augen trauen?— im weit⸗ gefalteten, blendenden Kleide, einen Purpurguͤr⸗ tel um die jugendliche Bruſt, einen Myrien⸗ kranz auf dem blonden, lang herabwallenden
Haar. 4„Iſt's moͤglich, ſchoͤnſtes der Maͤdchen! iſt's moͤglich, meine Medora, und— meine Mutter!* — rief Henarez, und warf ſich mit ausgebrei⸗


