245 mender Freund, brachten eine peinliche Nacht zwiſchen Furcht und Hoffnung zu.
Am folgenden Morgen beſuchte Alwill die geliebte Kranke ſehr fruͤh; die Wittwe war ſchon ausgegangen; eine im Vorhaus beſchaͤftigte Kran⸗ kenwaͤrterinn berichtigte ihm, Mally habe aber⸗ mahls ſtark phantafirt, ſey aber gegen Morgen in ſanften Schlummer verfallen. Der Doctor, der noch vor ſechs Uhr gekommen, ſey der Mei⸗ nung, es muͤſſe ſich nun entſcheiden.
Alwill druͤckte bey dieſer Nachricht beyde ge⸗ faltete Haͤnde heftig vor die Stirne; fuͤr ihn lag eine Welt in dem Worte: entſcheiden. Er ging ins Zimmer, und oͤffnete leiſe die Thuͤre des Schlaf⸗Cabinets. 5.
Die, ſcho an lief anft, aber ef. Der Guud. en haaſel hendch ſan iheu⸗ den einen Anblicke dei ihm jungfraͤuliche Un⸗ ſchuld, auch bey der heftigſten Gegenliebe, ſtets mit unerbittlicher Strenge entzogen hatte. Die langen, caſtanienfarbenen Locken ſchienen durch
ihre eigene Schwere entfeſſelt, und wallten uͤber
die rundeſten, blendendſten aller Schultern und Arme; der volle, jugendlich bebende Buſen, ein athmender Pygmalionsmarmor, hatte Tuch und Leibchen zuruͤck gedraͤngt. Alwill ſtand erroͤthend, aͤngſtlich beklommen, doch auch ſuͤß bezaubert. Wer je bep dem Aublicke einer heißgeliebten,


