237 enger; ich glaubte, er werde bald endigen. Die Toͤne waren ſo ſanft und ſonderbar, als ich ſte noch niemahls gehoͤrt habe; die Luft bewegte immer meine Locken. Es ſchien etwas in der Hoͤhe uͤber mir zu ſchweben, uͤber mir dahin zu ziehen.“
„Endlich ſah ich ganz von weitem ein graues Gewand ſich regen, und hoffte, es ſey jemand von der Geſellſchaft. Es fiel mir auf' Herz, daß man um mich beſorgt ſeyn koͤnne; ich war daher daruͤber ſehr erfreut. Das Frauenzimmer kam auf mich zu, und trug grau und ſchwarz; ich glaubte gewiß, es ſey Couſine Liddy. Doch, da wir einander naͤher kamen, traf ich eine ganz Unbekannte, aber ſie ſah ſo blaß, ſo freundlich und ſanft aus, daß ich ſie bitten wollte, mir den Weg zu ihnen zu zeigen. Schon hatte ich mir den Muth gefaßt, ſie, ob ſie gleich ganz ſtarr vor ſich hinblickte, anzureden, als ich deutlich be⸗ merkte, daß ſie ein Ronnenkleid trug. Dieſe Ent⸗ deckung verurſachte mir eine unglaubliche Ban⸗ gigkeit; das halb verhuͤllte Geſicht ſchien mir immer bleicher und ſtarrer, das Kleid verwittert und falb, als gehoͤrte es einer Bewohnerinn der Gruft. Schon wollte ich entfliehen, obſchon mei⸗ ne Fuͤße mir den Dienſt verſagten, als die Nonne eine wunderſchoͤn bluͤhende Roſe von der Bruſt nahm, und ſie mir ſchweigend entgegen reichte. Von dieſem Augenhlicke an bis dahin, als ich bey


