Teil eines Werkes 
2. Theil (1815) Ausgewählte Erzählungen
Entstehung
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. 9 unter der langen Regierung ſeines großen Chur⸗ fuͤrſten, Fridrich Wilhelm»), im ſchoͤn⸗ ſten Flore ſtehende Brandenburg zuruͤck. Die Frende muß, wie die Bluͤthe des Baumes, nur allmaͤhlich, nicht ploͤtzlich hervortreiben, ſoll ſie dem weichen, alternden Stamme nicht nach⸗ theilig werden. So hoch den edlen Soͤhnen das Herz ſchlug, als ſie auf der letzten Station ihren Reiſewagen mit den Reitpferden vertauſchten; ſo wenig ſie ſich es, als ſie zuerſt den Thurm des muͤt⸗ terlichen Witwenſitzes erblickten, verſagen konn⸗

ten, einen Angenblick anzuhalten und einander

feurig zu umarmen; ſo wenig konnten ſie ſich auch von der Beſorgniß losreißen, daß ihre beſchleu⸗ nigte Ankunft die Geſundheit der theueren Mut⸗ ter vielleicht erſchuͤttern koͤnne. Brrathſchlagend, wie dieß zu vermeiden ſtehe, und gleich den Heroen Caſtor und Pollux, die ſelbſt das Gluͤck der Unſterblichkeit mit ein⸗ ander theilen wollten, im ſchoͤnen Wettſtreite be⸗ fangen, wer die Thuͤr oͤffnen, wer zuerſt eintre⸗ ten, wer zuerſt der Mutter in die Arme fliegen ſolle, kamen ſie dem Landſitze immer naͤher. Schon blinkten ihnen die weißen Mauern des 4 Schloſſes von fern entgegen; ſchon gelangten ſie

*) Geboren den 6. Februar 1620, zur Regierung gelangt 1641, geſterben den 290. Aprill 1688.

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