Teil eines Werkes 
4. Theil (1805)
Entstehung
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Endlich ward ſein heißer Seelenwunſch er⸗ fuͤllt. Die Wolken theilten ſich, der Donner verhallte, ruhiger wogten die Wellen des Sees,

und nur in einzelnen abgebrochenen Stoͤßen tobte der Sturm.

Jetzt oder nie! fluͤſterte Kerrmann Agneſen zu, die aͤngſtlich an ſeinem Buſen bebte. Er faßte das zitternde Maͤdchen in ſeine Arme und ſchwang ſich raſch an dem befeſtigten Seile von dem Thurm harab. Jetzt ſtand er auf dem niedrigen Felſenufer von welchem der Thurm ſich erhob, aber von Schrecken durchbebt, ſtarrte er zuruͤck, als er mit Agneſen dem Nachen zueilen wollte, und er dieſen nicht fand, Der Sturm hatte ihn von dem Ufer losgeriſſen und hinaus in den See geſchleudert; als ein Spiel des Win⸗ des ſchwebte er auf den Wellen dahin, die ihn immer weiter von dem Thurme entfernten.

Mit einem Ausrufe des heftigſten Schrecks, ſank Agneſe betaͤubt in Herrmanns Arme zuruͤck, der ſeine ganze Faſſung noͤthig hatte, um ſeine eigene furchtbare Gemuͤthsbewegung zu verber⸗ gen und der Geliebten Muth und Troſt zuzu⸗ ſprechen. Jetzt ſchien alles verloren zu ſeyn und

alles ſich darauf zu vereinigen, um die beiden

Liebenden von der ſchmeichelnden Hoͤhe ihres

gehofften Gluͤcks, ohne Rettung, in einen deſto

8 tiefern Abgrund des Verderbens hinabzuſchleu⸗ dern. Ein hartes unbeugſames Fatum ſchien

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