Teil eines Werkes 
4. Theil (1805)
Entstehung
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24.

der gegenwaͤrtige Augenblick iſt unſer: iſt er entflohen, dann gehoͤrt er uns nicht mehr an. Jetzt oder nie!

Agneſe ſank in ſeine Arme, Herrmann er⸗ ſchoͤpfte ſeine ganze Beredſamkeit, die ihm die Liebe einſloͤßte, und leicht ward es ihm Agne⸗ ſens Beſorgniſſe und Zweifel zu beſiegen; ihre heiße Umarmung ſagte ihm, daß ſie einwillige.

Der Morgen war bereits angebrochen, aber ſchwere Gewitterwolken hatten ſich in der Ferne am Horizont emporgethuͤrmt und hielten die Strahlen der aufgehenden Sonne zuruͤck. Dumpf rollte der Donner von dem fernen Geſtade des Sees daher, furchtbar heulte der Sturm durch die Riſſe des Thurmsund von dem empoͤrten Orkan gepeiſcht, waͤlzten ſich ſchaͤumeud und die Wellen des Sees in koloſſaliſchen Maſſen daher, indem ſie ſich mit tobendem Geraͤuſche an dem Fuße des Thurmes brachen.

Jetzt durfte es Herrmann nicht wagen, ſich mit Agneſen an dem befeſtigten Seile hinabzu⸗ laſſen und ſich in dem unſichern Nachen den empoͤrten Wellen Preis zu geben. Grauſend blickte er hinaus in die Schreckniſſe der Natur, indem ſich Agneſe aͤngſtlich an ihn anſchmiegte, und ſehnlich ſchlug ſein beaͤngſtigtes Herz dem Augenblicke entgegen, wo das Unwetter ſich wie⸗

der verziehen und ihm verſtatten wuͤrde, ſeinen 5 4

Eutſchluß auszufuͤhren.