Teil eines Werkes 
4. Theil (1805)
Entstehung
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Agneſe. Ich zittere vor der Grauſamkeit meines Vaters, wenn er unſere Zuſammenkunft erlauſchen ſollte, unſer beider Schickſal wuͤrde

ohne Beiſpiel ſchrecklich ſeyn.

Herrmann. Zittere nicht! der Augenblick iſt erſchienen, der uns Rettung ſchenken ſoll. Nur die Flucht kann uns dem Verderben ent⸗ reißen, zoͤgere nicht, dieſes letzte uns uͤbrige Mittel zu unſerer Rettung zu ergreifen.

Agneſe. Wehin koͤnnten wir fliehen, um

der Rache meines und Deines Vaters zu ent⸗

rinnen? Herrmann. Die Erde iſt groß und wird uns gewiß ein heimiſches Plaͤtzchen darbieten, das zwei Liebende vor der Wuth unnatuͤrlicher Vaͤter ſchuͤtzt. Ueberlaß Dich mir ohne Furcht. Der Nachen ſteht bereit, der uns nach dem jenſeitigen Ufer bringen ſoll; ehe der folgende Abend naht und Dein Vater unſere F ucht ent⸗ decken kann, ſind wir in Sicherheit. Ich fuͤhre Dich zu meinem Oheim nach Schwaben; er liebt mich und wird meinen Bitten gern Gehoͤr geben, um uns bei ſich aufzunehmen und uns mit unſern Vaͤtern auszuſoͤhnen Unſere Augen⸗

blicke ſind gezaͤhlt, der Morgen naht, auf denn! laß uns nicht zoͤgern die gaͤnſtigen Augendlicke

zu benutzen.

Ach Herrmann! ſeufzte Agneſe, wenn 4 auch dieſe Hoffnung uns räuſchte: Paß 99

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