Teil eines Werkes 
4. Theil (1805)
Entstehung
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29.

Jetzt war der Thurm erreicht, Herrmann warf Agneſen das Seil zu, womit der Nachen an dem Ufer war befeſtigt geweſen, das ihm zur Leiter diente, und in wenigen Augenblicken be⸗ fand er ſich in Agneſens Armen.

Wer vermoͤchte es, das Vollmaaß der ſelig⸗ ſten Wonne zu ſchildern, die jetzt die beiden Liebenden beſeelte. Ihre Seelen ſchienen nur in ein einziges Gefuͤhl des hoͤchſten Entzuͤckens aufgeloͤſt zu ſeyn, das ihr ganzes Weſen erfuͤllte. Feſt Buſen an Buſen, Lippe auf Lippe hielt Agneſe den Geliebten umſchlungen, und im ra⸗ ſchen Flugge eilten die Augenblicke im Vollge⸗ nuß ihrer Liebe uͤber die Glücklichen unbemerkt dahin, bis ſich endlich der erſte heftige Sturm der Empfindung in ihrem Innern legte, und ihr

Gefuͤhl ſich in Worte ergoß.

Wie vieles hatten die Liebenden einander mitzutheilen, was ſie waͤhrend der Zeit ihrer Trenuung gelitten und geduldet hatten, und was Herrmann alles angewandt hatte, um Agneſens verborgenen Aufenthalt auszukundſchaften und ſie zu befreien.

Gott ſey Dank! rief Herrmann in den Armen ſeines zaͤrtlichen Weibes aus, die Tage der Angſt und der Gefahr ſind nun voruͤber, im goldenen Glanze ſchweben die Tage des neuen

Glucks unſerer Liebe empor, und nichts ſoll uns

nun wieder von einander trennen.