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kleinen Ebene aufzuſchlagen, um ſich durch ein kraͤftiges Mittagsmahl zu der Erneuerung der Jagd zu ſtaͤrken. Der freudegebende Becher und die rauſchende Muſick der Jagdhoͤrner hoben die
Herzen der Jaͤger zur Freude empor, und heite⸗
re Munterkeit herrſchte in dem traulichen Kreiſe,
nur Erilda konnte an dieſer Freude keinen Antheil
nehmen, unruhig klopfte ihr Herz, und unge⸗
duldig wuͤnſchte ſie den Augenblick herbei, wo
die Jagd wieder erneuert werden ſollte.
Schon neigte ſich die Sonne allmaͤhlig hin⸗ ter den Wald, als endlich Ritter Rhyswick Be⸗ fehl zum Aufbruch gab, und von neuer Jagdluſt erfuͤllt ſtuͤrmte das Gewahl der Jaͤger durch den Wald. Erilda ſtoͤrte ein ſchoͤn geflecktes Reh aus dem Dickicht auf; ſie legte den Pfeil auf den Silberbogen, er drang in die Bruſt des
Vildes, dennoch floh es fluͤchtig durch den Wald dahin. Erilda ſaͤumte nicht ihm zu folgen, und das Blut des verwundeten Rehes bezeichnete ihr die Spur ſeines fluͤchtigen Laufes. Raſtlos jagte die ſchoͤne Jaͤgerin ihrer Beute nach, bis das Silberlicht des Mondes durch die verſchlungenen Aeſte der Baͤume brach. Endlich war das Reh erreicht, ermattet fiel es zu Boden und verſchied. Erilda ſtieg von dem Roſſe herab, und blickte ſich nach ihrem Jagdgefolge um, doch zu ſpaͤt erkannte ſie, daß ſie ihre Jagdluſt zu weit von ihrem Gefolge entfernt und der Abend ſie uͤber⸗ raſcht hatte.
Bergebens lauſchte ihr Ohr auf den Schall der Jagdhoͤrner, alles um ſie her war oͤde und ſtill, und nichts als das hohle Sauſen des Win⸗ does in den Wipfeln der Baͤume unterbrach die rauſen erregende Stille die ſie umggb. 4 alte Winde ſpielten mit ihren Locheitt die grauen
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