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gebens bemuͤhte ſich Erilda ihre bisherige Mun⸗ terkeit wieder anzunehmen; eine Menge verwor⸗ rener Ideen und Empfindungen durchkreuzten ich in ihrem Innern und der herzerhebende Ge⸗ ang des Hausbarden ergoͤtzte jetzt nicht mehr ihr Ohr, als dieſer bei dem freudegebenden Becher den Werth der Thaten der Vorzeit und ihrer Helden beſang. Erildens Herz war von einem ganz andern Gegenſtande erfuͤllt, es ward nicht von den lieblichen Toͤnen der Harfe des Barden geruͤhrt, und konnte keinen Antheil an der Wallung nehmen, welche der patriotiſche Geſang in dem Buſen der Zuhoͤrer aufregte. Waͤre Liebe das Thema dieſes Geſanges gewe⸗ ſen, dann nur wuͤrde ſich Erildens Seele voll inniger Theilnahme in der Melodie aufgeloͤſt und die Gewalt der Muſick anerkannt haben.
Ihr Herz war heftig beklommen und unter dem Vorwande einer kleinen Unpaͤßlichkeit, nahm ſie mit einem zaͤrtlichen Kuſſe von ihrem Vater Abſchied, und eilte nach ihrem Zimmer, wo ſie
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ſich auf ihr Lager warf, und bemuͤht war durch
den Schlaf, die wilden und beunruhigenden Ge⸗ danken und Gefuͤhle, die ihr Inneres ſo heftig in Bewegung ſetzten, in Schlummer zu wiegen. Ihre Bemuͤhungen blieben jedoch fruchtlos: un⸗ aufhoͤrlich ſtand der ſchwarze Ritter mit dem blutrothen Federbuſche in einem halbwachen Schlummer vor ihrer Seele, und raubte ihr die heißerſehnte Ruhe.
Mit dem erſten Morgenlichte verließ ſie ihr Lager, von welchem die Ruhe entſlohen war,
und eilte nach dem Platze, wo ſie an dem vori⸗
en Abende den unbekannten Ritter geſehen hatte. Ihr Auge ſchwebte auf der Gegend, wo er ihren Blicken entſchwunden war und mit
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