Teil eines Werkes 
3. Theil (1805)
Entstehung
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edel, und ſein Geſicht trug den Stempel maͤnn⸗ licher Schoͤnheit, und gleichwohl war ein gewiſſes Etwas in ſeinen Zuͤgen, das zuruͤckzuſtoſſen ſchien,

kurz, ſein ganzes Aeuſſeres erfuͤllte Erilden, in⸗ dem es ſie zur Bewunderung reizte und ſie un⸗ widerſtehlich nach ihm hinzog, dennoch mit ei⸗ nem raͤthſelhaften Beben, und in einem ſeltſa⸗ men Gemiſch von Gefuͤhlen kehrte ſie auf Rhudd⸗ lan zuruͤck.

Welche hohe Wuͤrde thronte in den Ge⸗ ſichtszuͤgen dieſes Unbekannten! ſprach ſie zu ſich ſelbſt, welcher Adel war in ſeinem ganzen Benehmen! und ach! welche Schwermuth ſchien ſeine Seeele zu belaſten, indem ſie den funkeln,

den Glanz ſeines ſchwarzen Auges truͤbte und

ſeine Zuͤge umwoͤlkte, die auſſerdem von Heiter⸗ keit ſtrahlen wuͤrden. Sicher iſt ihm dieſe Nie⸗ dergeſchlagenheit nicht eigen, irgend ein verbor⸗ genes Geheimniß belaſtet ſein Herz; vielleicht iſt es die Liebe, die an der Roſenbluͤthe ſeiner

Geſundheit nagt, und ſeinem Herzen Heiterkeit

und Ruhe raubt. In dieſen Selbſibetzachtungen ward ſis durch ihren Vater unterbröchen. Der gute Greis

trug den Spiegel ſeines innern Grams auf ſeis ner eingefallenen Wange, dennoch ſuchte er hei-

ter zu ſcheinen, und mit einer erkuͤnſtelten Ruhe fuͤhrte er Erilden nach dem Speiſeſaale. Ver⸗ 58 2 84

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