22 Hoch auf den Mauern von Rhuddland wehte die ſchwarze Flagge des Todes,— hub der Ere⸗ mit ſeine Erzaͤhlung an.— Dumpf brummte die Glocke des benachbarten Kloſters das feier⸗ liche Todtengelaͤute, das rings umher das Echo in jedem ſchauernden Luͤftchen widerhallte. Die Moͤnche des Kloſters ſangen einen feierlichen Chorgeſang für die ewige Ruhe des Leichnams, tauſend Kerzen erhellten die Kapelle, und den umherſtehenden Armen ward reichlich Allmoſen geſpendet. Der Abendwind brauſte ſcharf und kalt durch das Thal, grauer Nebel⸗ umfloß des Gebirges rauhen Gipfel, eißige Schneeflocken trafen das Geſicht des Wanderers und ſchnei, dende Luͤfte wogten ſein Gewand umher. Ritter Rhyswick der Kuͤhne vernahm, indem er ſich naͤ⸗ herte, den Widerhall der Todtenglocke, und von Furcht und bangen Ahnungen erfuͤllt, ſporn⸗
te er ſein Roß zur Eile an. Fluͤchtig jagte er durch den Forſt dahin, uund im kreiſenden Zirkelſſuge ſchwirrte der weiſ⸗ ſagende Todtenvogel in der Finſterniß der Nacht um ihn her, und verkuͤndigte mit ſchauervollem Aechzen die Auffoͤſung der Dahingeſchiedenen. Ritter Rhyzwick ſeufzte tief aus der beklomme⸗ nen Bruſt empor, und eine furchtbare Ahnung der Wahrheit durchzuckte ſein Inneres, als er
die Ufer des Clwyd erreichte, und den Glanz— der Kerzen in dem Kloſter von Rhuddlan er⸗—


