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ben, an den, der dem Tode die Macht genommen und Leben und unvergaͤngliches Weſen an das Licht ge⸗ bracht hat durch das Evangelium!—.
Es war eine kurze Predigt, oft unterbrochen von der Ruͤh⸗ rung, die ihn uͤbermannte und dem lauten Weinen der Ge⸗ meinde, welche in ihrem Prediger, der ſich ſo in der Kraft des Glaubens uͤber den herbſten Erdenſchmerz erheben konnte, faſt ein hoͤheres Weſen ſahen, und bewundernd zu ihm aufblickten, und laut Gott prieſen, daß er in ſeines Wortes Diener, den herrlichen Werth ſeines Gottesworts alſo bethaͤtigen laſſe;— denn der Prediger war ſelbſt getroſt und war ein Mann!
Die Stunden des Todtenſonntags ſchlichen langſam dahin. Es war der ſchwerſte Tag ſeines Lebens!—
„Ich darf mich meinem Schmerze nicht hingeben“ ſagte er unzaͤhlige Male zu ſich, wenn ihm das Herz in Wehmuth zerfließen wollte,„was wuͤrde meine Gemeinde ſagen, wenn ihr Troͤſter troſtlos waͤre!“—
Am Abend ſaß unſer Paſtor in ſeiner Studirſtube allein; die Einſamkeit lag ihm bleiſchwer auf Herz und Sinnen; er oͤffnete das Fenſter, um die Abendluft herein zu laſſen.— Alles war draußen ſtill,— der Abendwind rauſchte in den gefallenen Blaͤttern auf dem nahen Kirchhofe, auf dem bald auch ſein Liebſtes ruhen ſollte, und ihn froͤſtelte. Er lehnte ſich truͤbe zum Fenſter hinaus, Alles war ſtill im ganzen Dorfe, es war das Todtenfeſt,— und nur die wehmuͤthigen Klaͤnge eines frommen Sterbeliedes toͤnten aus der Huͤtte des alten Thomas, zur Ehre ſeiner entſchlafenen Ehefrau, in das Pfarrhaus heruͤber.—
Der Pfarrer wiſchte ſich die Augen und ging dann hin⸗ uͤber in die Kammer, wo die todte Gattin lag, und hob das weiße Tuch von dem bleichen Geſicht und ſchaute lange und wehmuͤthig auf die lieben, ach ſo lieben Zuͤge, die er bald nicht mehr ſehen ſollte;— er deckte leiſe das Tuch wieder zu, und ſeine Hand zitterte.„So iſt wieder ein Band geloͤſt, das mich an die Erde kettete,“ ſagte der Prediger wehmuͤthig,„ſo wer⸗ den ſie alle nach und nach fallen bis auch meine Seele frei wird von des Koͤrpers Banden und ſich hinauf ſchwingt zu ewiger Freiheit und Seligkeit!— Darf man weinen, wenn ein Pilgrim Kleid und Buͤrde ablegt und freudig dem himmliſchen Jeruſalem zueilt?“—


