130 um ſeiner Ruͤhrung Herr zu werden.—„Sei getroſt und ſei ein Mann!“
Die Nachricht von dem Trauerfall, der den Paſtor ge⸗ troffen, hatte ſich bald wie ein Lauffeuer durchs Dorf verbreitet. — Alle liebten die gute Pfarrfrau, und ſo mancher Kranke, dem ſie Eſſen geſchickt, ſo mancher verſchaͤmte Arme, den ſie unterſtuͤtzt, ſo manche befreundete Seele unter Jung und Alt weinte der Guten eine Thraͤne nach, und wuͤnſchte Gottes Se⸗ gen auf die Entſchlafene herab. Die Gemeinde war in großer Bewegung, als ſie den Pfarrer bleich und ernſt, aber feſten Schrittes heruͤber ſchreiten ſah zur Kirche, denn Alle hatten wohl gedacht, daß er heute nicht predigen werde.—
„Er darf aber nicht predigen, der gute Paſtor,“ ſagten die Kirchenvaͤter zu einander, als ſie des Pfarrers bleiches Ge⸗ ſicht und ſeine Augen voll Thraͤnen gewahrten, und gingen ſaͤmmtlich hinein in die Sakriſtei, um ihm Vorſtellungen zu machen.
Der Pfarrer ſaß in ſeinem Stuhle, und hatte das Geſicht niedergelegt auf den Tiſch, und weinte bitterlich, als die Maͤn⸗ ner eintraten;— aber er ſtand ſogleich gefaßt auf, und wiſchte ſich die Thraͤnen aus den Augen;— aber er konnte nicht reden.
„Herr Paſtor,“ begann der alte Georg,„Sie duͤrfen heute nicht predigen, wir bitten Sie darum. Der Herr Schulmeiſter wird uns eine Predigt vorleſen.“
„Soll ich meiner theuren Pfarrfrau nicht die Gedaͤchtniß⸗ predigt halten?“— ſagte er, und ſeine Stimme ward feſt und freudig, als er des Amtes gedachte dem er diente.„Soll ich, der ich ſo oft an den Graͤbern den Troſt der Auferſtehung freu⸗ dig verkuͤndet, heute ſchweigen, wo mein eignes Herz des Tro⸗ ſtes von Oben bedarf?— Ich glaube, darum rede ich!“—
Und der Pfarrer blieb feſt bei ſeinem Entſchluſſe, und er trat hinaus vor den Altar und erhob ſeine Augen zu dem Herrn und ſang mit heller klarer Stimme:—
„Lobe den Herrn meine Seele,“—— und das Chor antwortete:
„Und was in mir iſt ſeinen heiligen Namen!“—
Und des Prieſters Antlitz leuchtete in heiliger Andacht, und ſeine glaubensfreudigen Mienen waren ſchon fuͤr die Ge⸗ meinde eine Predigt von Hoffnung und Wiederſehen, von Glau⸗
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