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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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lieben Heiland. Das war und blieb des Alten Lieblings⸗ plaͤtzchen; er ſaß dort oft Stundenlang und erzaͤhlte den Enkelchen von der guten Mutter, die die Kirche und den Kirch⸗ hof ſo lieb gehabt haͤtte, und noch in ihrer Krankheit mit dem Geſangbuche in der Hand huͤben die Lieder mitgeſungen hatte, die die Gemeinde druͤben in der Kirche geſungen;Und hier auf dieſem Plaͤtzchen iſt ſie geſtorben; hier habe ich ihr die Au⸗ gen zugedruͤckt, ſetzte er dann jedesmal hinzu;hier ſollt Ihr auch mir einmal die Augen zudruͤcken.

Schluß. Sei getroſt und ſei ein Mann!

Das Todtenfeſt, der letzte Sonntag im Kirchenjahre war wieder einmal herbei gekommen. Ein Herbſtfroſt hatte die letz⸗ ten Blumen im Garten getoͤdtet, und der kuͤhle Morgenwind entfuͤhrte rauſchend die vom Froſte geloͤſten gelben Blaͤtter der Baume vor den Fenſtern des Pfarrhauſes. Die Zugvoͤgel hat⸗ ten meiſt ſchon die ferne Heimath geſucht, nur hie und da weil⸗ ten noch einige Nachzuͤgler auf den hohen Linden im Dorfe und am Kirchhofe, und riefen ſich ab zur Reiſe in die Heimath; ein Zug wilder Gaͤnſe aber flog laͤrmend uͤber das Thal hin einem waͤrmern Himmelsſtriche zu. Die ganze Natur hatte ihr ſchwer⸗ muͤthiges Herbſtkleid angezogen, und die helle, klare Herbſtſonne, die eben uͤber das Thal gluͤhendroth heraufzog, hauchte nur einen matten Schimmer auf die mit ſchnellen Schritten einem allmaͤligen Todesſchlafe zuwelkenden Erde, im Einklang mit dem kirchlichen Feſte der Todten, zu welchem die Glocken zum erſten Mal die Glauͤbigen riefen!

Unſer Paſtor ſtand am Fenſter, und ſchaute truͤben Blickes den fallenden Blaͤttern zu, und ſelbſt die ſchrillende Stimme eines luſtigen Zaunkoͤnigs im nahen Fliederbuſche weckte ihn nicht aus ſeinen truͤben Gedanken!

So welkt und faͤllt auch der Menſch, ſagte er,wenn ſeine Zeit abgelaufen, wie ein welkes Blatt, und die Mutter Erde nimmt auch ſeine Huͤlle auf; aber die Seele eilt, gleich dem