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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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dann die eindringlichſten Ermahnungen und Vorwuͤrfe ausgeſpro⸗ chen, auf die der Alte nur immer wehmuͤthig entgegnet hatte: Ich wollte meine Kinder gern gluͤcklich machen, und der Geiſtliche mußte immer und immer wieder widerlegen und mit beredter Zunge auseinanderſetzen, worin wahres Gluͤck beſtehe, und wie man durch Unrecht niemals gluͤcklich werden koͤnne, und wie man auch nicht froh, nicht von der Suͤndenlaſt befreit, der goͤttlichen Vergebung ſicher werden koͤnne, wenn man nicht das Unrecht bereue, und ſo viel in den Kraͤften ſtehe, wieder gut mache.

Immer ſah der Greis auf die Geldſaͤcke neben ſeinem Bette; es war ihm als koͤnnte er ſich nicht losreißen, und doch ſiegte am Ende des Pfarrers Wort, mit welchen ſein beſſeres Ich innerlich uͤbereinſtimmen mußte. Er ließ den alten Tho⸗ mas holen, er geſtand ihm, wenn auch zaudernd und mit Umſchweifen, Alles, und ließ ſich's gefallen, daß der Pfarrer die Geldpackete nahm und zuſammen packte, um ſie morgen dem Kauͤfer zuruͤck zugeben, da Thomas nach den vorhergegangenen Erklaͤrungen,(die der Pfarrer auch noch gerichtlich beſtaͤtigen ließ) der rechtmaͤßige Erbe jenes Hauſes war. Nachdem das Geld einmal wieder aus dem Hauſe war, ward der alte Mann ruhiger.Mache die Enkelchen nur recht gluͤcklich! ſagte er immer wieder zu der Schwiegertochter,'s iſt doch mein Fleiſch und Blut, aber gluͤcklich, hoͤrſt Du, wie hieß doch der Spruch den der Pfarrer immer gegen mich ſagte?

Die Gottſeligkeit iſt zu allen Dingen nuͤtze, und hat die Verheißung dieſes und des zukuͤnftigen Le⸗

ens!

Wenige Tage darauf ſtarb der alte Brenz an den Folgen des ungluͤcklichen Falles.

Der alte Thomas aber zog bald darauf in das liebe Haus am Kirchhofe mit ſeiner Familie ein. Eliſabeth mußte den blinden Vater erſt an der Mutter Grab hinfuͤhren, und erſt nachdem er ſich durch ſorgfaͤltiges Betaſten uͤberzeugt hatte, daß der Raſen und das Kreuz in beſtem Stande ſei, ging er hinein in's Haus, und die Kinder mußten ihn ſeinen Großva⸗ terſtuhl genau in die Ecke ruͤcken, wo das Kruzifix ſonſt geſtan⸗ den hatte, und wo die geliebte Ehefrau vor vielen Jahren ge⸗ ſtorben war. Dort ſaß er lange ſtill, und dachte wohl daran, wie er nun bald wieder bei der Guten ſein werde und bei dem

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