Druckschrift 
Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
Einzelbild herunterladen

146

wieder in dem Greiſe erwacht.' iſt fuͤr meine Enkel, hatte man ihn leiſe vor ſich hin ſprechen hoͤren,ſie ſollen gluͤcklich werden! und der alte Mann ſcheute ſelbſt mehrmalige beſchwer⸗ liche Wege in die Stadt, in der Hoffnung, das Haus zu ver⸗ kaufen, nicht.

Endlich war es ihm gelungen, endlich trug er das Kauf⸗ geld in der Taſche; er zitterte vor unheimlicher Freude, als er ¹ es zuſammenſtrich; er hatte Alles vergeſſen, nur das Geld erfuͤllte ſeine Seele; er wollte die unendliche Leere, die in ſei⸗ nem Herzen wieder eingetreten war, nicht fuͤhlen! 1

Es war finſter geworden, ein furchtbares Regenwetter hatte ihn ereilt, er war in der Haſt, mit ſeinen ſchweren Geldpacke⸗ ten nach Hauſe zu kommen, ausgeglitten und einen hohen Ab⸗ hang hinabgeſtuͤrzt. Beſinnungslos hatten heimkehrende Nach⸗ barn ihn aufgehoben, und ins Dorf hereingefahren. Endlich kam er, Dank dem unermuͤdlichen Eifer ſeiner Schwiegertochter, wieder zu ſich. Seine erſte Frage war nach dem Gelde; als man ihm es zeigte, wurde er ruhiger. Dann verlangte er nach dem Pfarrer. 4

Der Pfarrer kam; er ſprach herzliche Worte zu dem ſchwer⸗ gepruͤften Manne, und da derſelbe zu ſchwach ſchien, das Beicht⸗ bekenntniß ſelbſt zu ſprechen, ſo ſagte der Geiſtliche es ihm vor, abſolvirte ihn dann, und reichte ihm das heilige Abendmahl.

'S hilft Nichts, ſagte der Sterbende jetzt troſtlos.S iſt mir nicht beſſer; das heilige Abendmahl und die Abſo⸗ lution ſind auch zu nichts nuͤtze,'s hat meine Suͤnden nicht weggenommen,'s liegt mir immer noch wie ein Stein auf'm Herzen!.

Unſer Paſtor erſchrak, er fragte weiter, er bat, er ermahnte, er redete ſo eindringlich, daß der Alte endlich ausrief:Nun ja,'s iſt nun einerlei, ich habe unrecht gethan, und nun erzaͤhlte er in abgerißnen Saͤtzen, wie er einſtmals auf un⸗ rechtmaͤßige Weiſe in den Beſitz des jetzt eben verkauften Hauſes gekommen ſei, wie er damals den alten Oheim durch Schmei⸗ chelwort, durch Verleumdung der Todtengraͤberfamilie, kurz auf niedertraͤchtige Weiſe, dahin gebracht hatte, ihm das Haus zu vererben; ja er geſtand zuletzt ein, daß der Oheim auf ſeinem Sterbebette das Teſtament noch haͤtte zuruͤcknehmen wollen, daß er ihn aber betrogen habe.

Der Paſtor hatte das Alles einzeln herausgefragt, er hatte