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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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er von dem Mauͤdchen nicht bemerkt. Die Kleine war unermuͤd⸗ lich, hatte eben fuͤr die Mutter ein Straͤußchen Vergißmeinnicht gepfluͤckt, und ſang wie eine Haidelerche das von der Mutter ihr gelehrte Liedchen:

Komm lieber Mai und mache

Die Baüme wieder grün,

Und laß mir an dem Bache

Die kleinen Blümchen blühn!

Da wurde es ploͤtzlich laut im Dorfe, man hoͤrte rufen, ſchreien, Hunde bellen, und immer deutlicher vernahm man den aͤngſtlichen Ruf:Ein toller Hund, ein toller Hund, aber in demſelben Augenblicke war das wuͤthende Thier auch ſchon da, und ſtuͤrzte in gerader Richtung auf das kleine Maͤdchen los, das aͤngſtlich dem Hauſe zugeeilt war. Chriſtian beſann ſich nicht lange, einen Stab zu ergreifen, der neben ihm lag, und das Kind auf die Arme zu nehmen, war das Werk eines Au⸗ genblicks; aber als er das Kind aufhob, und ſich nach dem Hunde umſah, hatte ihn das Thier ſchon gebiſſen. Er fuͤhlte es, er zitterte; aber erſt ſchlug er mit feſter Hand den Hund todt, und dann erſt gab er das Kind dem jammernden Groß⸗ vater in die Arme, und entfernte ſich ſchnell, als Johann und Eliſabeth herbeikamen. Aber Eliſabeth lief ihm nach;Er hat Dich gebiſſen, Chriſtian, rief ſie angſtvoll,Du bluteſt. Er aber wehrte ſie ſanft ab, und ergriff ihre Hand, und ſagte leiſe:Eliſabeth, ich denke nur an Eins, haſt Du mir ver⸗ geben?

Chriſtian, rief Eliſabeth geruͤhrt, und die hellen Thraͤnen ſtuͤrzten ihr aus den Augen.Du haſt mir mein Kind geret⸗ tet; das mag Dir Gott vergelten, ich kann es nicht!

Es ließ ihr keine Ruhe; nur einen Kuß hatte ſie dem Kinde gegeben, dann war ſie ſchon fortgelaufen nach dem Arzte fuͤr den armen Chriſtian.

Er kam; die Wunde ward unterſucht, ausgewaſchen, aus⸗ gebrannt; die kraͤftigſten Mittel wurden dem Manne eingegeben; er ließ Alles mit ſich machen; er war ſo ſtill und froͤhlich; aber er ſchuͤttelte immer unglauͤbig den Kopf, und nur wenn er auf ſeine unverſorgten Kinder blickte, ward er unruhig.

Die naͤchſten Stunden verſtrichen unter banger Erwartung; nech war die neunte Stunde, die erſte gefaͤhrliche Entſcheidungs⸗ ſtunde nicht voruͤber; aber als Alle um ihn beſchaͤftigt wa⸗