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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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denn Gott vermahnetdurch uns; ſo bitten wir an Chriſti Statt: Laſſet euch verſoͤhnen mit Gott, er hatte dem Suͤndenherzen, das kein Verdienſt vor Gott hatte, Muth gegeben, ſich Gott zu nahen, und an die Liebe Gottes in Chriſto, die auch den Suͤnder umfaßt, zu glauben, der Glaube hatte ihn innerlich entſuͤhnt, ihn gerechfertiget vor Gott; und als der Prediger mit dem Bibelſpruche ſchloß: Chriſtus iſt darum fuͤr Alle geſtorben, auf daß die, ſo da leben, nicht ſich ſelbſt leben, ſondern dem, der fuͤr ſie geſtorben und auferſtanden iſt; darum iſt Jemand in Chriſto, ſo iſt er eine neue Kreatur. Das Alte iſt vergangen, ſiehe, es iſt Alles neu geworden! Da ſtand auch in ihm der Entſchluß, heiliger zu werden, Glaubenswerke zu wirken, feſt.

Er kam ſich ſelbſt gleichſam wie ein neuer Menſch vor, als er nach beendigtem Goktesdienſte wieder heimwaͤrts eilte; geho⸗ ben und geſtaͤrkt durch das frohe Bewußtſein, ausgeſoͤhnt mit Gott zu ſein, beſeelt von dem feſten Entſchluſſe, beſſer zu werden, kam keine Klage mehr uͤber ſeine Lippen, er fuͤhlte kaum die Schwaͤche ſeines Koͤrpers vor der beſeligenden Veraͤnderung, die in ſeinem Innern vorgegangen war, die Gnade des Herrn hatte in ſeinem ſo finſtern und kalten Herzen einen neuen Fruͤh⸗ ling, ein neues Leben hervorgerufen!

Eben ſtand er vor dem Hauſe Johanns ſtill; er war im Eifer allen Kirchgaͤngern vorangeeilt; er mußte Athem ſchoͤpfen, die Bruſt ſchmerzte ihn heftig. Druͤben an der Hausthuͤr ſpielte ein Kind, das Kind der Eliſabeth, es wartete auf Mutter und Pflegevater, die aus der Kirche zuruͤckkommen ſoll⸗ ten, und brachte dem blinden Großvater, der an der Thuͤr ſaß, Bluͤmchen und bunte Steine aus dem Bache im Dorfe. Chriſtian ſeufzte tief, war das nicht ſein Kind? Er ge⸗ traute ſich nicht, hinzugehen, und dem Kinde einen guten Mor⸗ gen zu bieten. Wer weiß, ob es ihn kannte, und wenn es ihn gekannt haͤtte, haͤtte es ihn nicht muͤſſen verachten, wenn es im Stande geweſen waͤre, die Verhaͤltniſſe zu verſtehen. Ach, vielleicht hatte die Mutter es den gewiſſenloſen Vater haſſen ge⸗ lehrt! Er wollte warten, bis ſie aus der Kirche kam, ſie, der er ſcheu bisher immer ausgewichen war; ihre Verzeihung wollte er erlangen; es war ihm ein Beduͤrfniß nach der Ausſöhnung mit Gott, ſich mit denen zu verſoͤhnen, die er ſo ſchwer beleidigt hatte. Von einem Buſche halb verſteckt, wurde