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X.
Der alte Brenz wohnte mit ſeinem Sohne noch immer in dem gemietheten Hauͤschen im Dorfe, und konnte ſich trotz aller Vorſtellungen nicht entſchließen, in ſein ihm eigenthuͤm⸗ lich gehoͤrendes Haus am Kirchhofe einzuziehen. Das Haus war noch immer unverkauft,— das abgeſchmackte Geruͤcht, daß in dem Hauſe der Geiſt der alten Todtengraͤberin umgehe, wollte ſich nicht verlieren, und hatte alle Kauͤfer abgeſchreckt; ja es hatte ſich im ganzen Dorfe nicht eine Familie durch die ſpott⸗ billigen Miethforderungen bewegen laſſen, einen Verſuch zu machen, ſelbſt das Geruͤcht zu widerlegen.
Jetzt freilich war fuͤr die Brenzſche Familie die Woh⸗ nungsveraͤnderung nicht laͤnger zu umgehen; Chriſtian konnte wegen ſeiner immer mehr zunehmenden Kraͤnklichkeit Nichts ver⸗ dienen, und der Hausbeſitzer hatte ſchon gedroht, daß er Gewalt anwenden werde, wenn ſie nicht gutwillig gingen.
Eines Tages ging Chriſtian Brenz traurig und matt durchs Dorf. Sein verlornes Leben ſtand ihm vor der Seele, und er uͤberdachte, wie wenige frohe Stunden er gehabt, ſeit er die arme Eliſabeth verlaſſen und, durch den eigenen Vater uͤber⸗ redet, eine reiche Frau geheirathet hatte, wie die Gewiſſensbiſſe die erſte Urſache des Unfriedens in der Ehe, wie der Unfrieden den Mißmuth und die Unzufriedenheit hervorgerufen hatte, bis die Herzen ſich immer mehr gegen einander erkaͤltet und ſich einander entfremdet hatten, und wie ihm endlich ſo das eigne Haus verleidet worden war, wie das Gefuͤhl des Unbefriedigtſeins ihn erſt verſucht, dann verleitet hatte im Glaſe erſt Zerſtreuung, und dann Betauͤbung zu ſuchen, als Gluͤck und Wohlſtand nicht nur nicht kam, ſondern von Tage zu Tage mehr abnahm, je un⸗ uͤberwindlicher die Leidenſchaft des Trunkes ward!— Chriſtian uͤberdachte zerknirſcht, wie ſo Eins aus dem Andern gefolgt war, und wie doch zuletzt er ſelbſt die erſte und hauptſaͤchlichſte Ur⸗ ſache ſeines jetzigen Elendes geworden war, und die Wahrheit des Spruchs, den ihm einſt der Schullehrer erklaͤrt hatte, trat ihm deutlich vor die Seele:„Die Suͤnde iſt der Leute Ver⸗ derben.“—
Es war wieder Fruͤhling, gerade wie damals, als er vor vielen Jahren nach jener verſuchungsvollen Unterredung zur


