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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
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lich eigennuͤtzigen Herzensergießungen,wollet nicht die Liebe nach dem Scheffel meſſen. Mir iſts genug, wenn man mich liebt; wie ſich dieſe Liebe aber auͤßert, das iſt meinem Herzen gleich, wenn ſie ſich nur außert! Und davon haben wir Zeugniß.

Und hiervon ſollte der Pfarrer noch einen Beweis erhalten, denn eben erklangen draußen vor dem Fenſter Maͤnnerſtim⸗ men. Es war abermals der Schulmeiſter, welcher mit einigen ſeiner Collegen aus der Nachbarſchaft ein Quartett fuͤr Maͤn⸗ nerſtimmen ausfuͤhrte, um dem Mitarbeiter an dem Einen Werke ſittlicher und chriſtlicher Volkserziehung auch ſeine entgegen⸗ kommende Liebe und Achtung zu beweiſen.

Als aber jetzt das Saͤngerchor draußen zum Schluſſe den Choral anſtimmte:

Das Amt der Lehrer, Herr, iſt Dein; Dein ſoll auch Dank und Ehre ſein Daß Du der Kirche, die Du liebſt, Noch immer treue Lehrer giebſt. da ſtrahlte des Paſtors Geſicht von ſtiller Freude.

Weißt Du's noch, Mutter, rief er,wie ſie uns vor fuͤnf und zwanzig Jahren gerade mit dieſem Liede an der Graͤnze des Dorfes empfingen? Wie die ganze Schuljugend im Feſtſchmucke, den guten Schulmeiſter an der Spitze, uns ent⸗ gegen kam, und wir aus dem Wagen ausſtiegen und die Glo⸗ cken der Kirche, meiner Kirche, jetzt in das Lied mit hineinklangen, und wie dann einige Maͤdchen hervortraten und Kraͤnze und fromme Wuͤnſche brachten und der alte Georg, da⸗ mals noch ein ſtattlicher Mann, uns in wohlgeſetzter Rede be⸗ gruͤßte? Und wie dann unter dem Gelauͤte der Glocken der Zug ſich durchs Dorf bewegte und uͤberall freundliche Geſichter an der Straße, in den Gaͤrten, an den Fenſtern und Thuͤren der Hauͤſer ſich zeigten und Alt und Jung ſich herandraͤngte, um auch Dich zu ſehen, die ihnen noch groͤßtentheils unbekannte Pfarrfrau? Wie druͤckte man uns die Haͤnde, wie war auf den freudeſtrahlenden Geſichtern deutlich zu leſen, daß wir wirk⸗ lich willkommen waren, wenn auch nicht dasWillkommen mit großen Buchſtaben uͤber der Ehrenpforte am Hauſe geſtan⸗ den haͤtte. Wahrlich, ſchloß der Pfarrer begeiſtert,ich will Eure alte und neue Liebe zu vergelten ſuchen; moͤge der Herr mir Kraft und Leben dazu geben!