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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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Kirchkindern zu Gute? Und liegts nicht wieder in der menſch⸗ lichen Natur tief begruͤndet, nur das Beiſpiel und die Beleh⸗ rung geliebter und geachteter Perſonen ſich anzunehmen? Ich fuͤhle mich heute gerade wieder ſo froh, ſo glaubensmuthig, ſo thatluſtig und thatkraͤftig wie vor fuͤnf und zwanzig Jahren.

Ach Vaͤterchen, das waren doch ſchoͤne, ſelige Tage, ſagte die Pfarrfrau, in dem ſie des Gatten Hand ergriff, als Du, der junge Prieſter, Deine geliebte Herzensfrau in Deine feſtlich geſchmuͤckte Pfarrwohnung hineinfuͤhrteſt, wie die Schul maͤdchen mich in der Hausthuͤr empfingen, und die Knaben im Hofe eine Arie ſangen, und wie Du nun, unter Laubgewinden und Ehrenpforten durchſchreitend, Deiner jetzt alternden Hausfrau alle die Herrlichkeit zeigteſt, die Du um ihretwillen bereitet hatteſt.

Und wie der Herr Paſtor die junge Frau Paſtorin kuͤßte, unterbrach Gretchen die Mutter mit ſchelmiſchen Laͤcheln, und wie der Herr Paſtor ſagte: Sieh, Seelenſchatz, das iſt Alles dein!

Ach was weißt Du, Jungfer Naſeweis, ſagte die Mut⸗ ter und laͤchelte ſeelenvergnuͤgt;warſt Du doch noch nicht geboren..

Nein, aber die Schulkinder hattens ja durch die Thuͤr⸗ ſpalte geſehen, rief Gretchen vergnuͤgt,und der alte Herr Schulmeiſter hat ja mein gutes Muͤtterchen oft damit geneckt und erzaͤhlt, wie die Kinder in ihrer ſchriftlichen Beſchreibung des feierlichen Pfarreinzugs ganz vorzuͤglich dieſen Kuß als eine Hauptmerkwuͤrdigkeit hervorgehoben hatten.

Die Aeltern laͤchelten beide. Sie gedachten der ſchoͤnen Jugend und doch war's jetzt auch ſchoͤn, doch liebten ſie einan⸗ der noch inniger, als damals, und der Pfarrer neigte ſich zaͤrtlich nieder zu der treuen Gefaͤhrtin ſeiner Freuden und Leiden und kuͤßte die Gute mit Innigkeit.Es bleibt beim Alten, Mutter, ſagte er innig und leiſe, und die Gattin verſtand ihn.

Aber die ſchoͤnen Geſchenke, bemerkte die Muhme,die Euch damals die Kirchkinder brachten, Butter, Brod, Fleiſch, Eier und Flachs.

Ja, und die Kuh und die Huͤhner und die Tauben, die der Pfarrfrau entgegen bruͤllten und gackerten, und flatterten, rief Roͤschen lachend..

Lieben Kinder, unterbrach der Pfarrer haſtig dieſe ziem⸗

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