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Weide und liebliches Weſen die Fuͤlle iſt zu Seiner Rechten immer und ewiglich. Amen!“.
Als der Prediger mit glaͤnzendem Geſichte jetzt von der Kanzel ſtieg, da fuͤhlte gar Mancher ſeiner Zuhoͤrer nicht blos das Band zwiſchen ſich und dem himmliſchen guten Hirten inniger geknuͤpft, ſondern ſich auch vertrauensvoller zu dem hingezogen, der an des Goͤttlichen Stelle ihr Paſtor und See⸗ lenhirt ſein ſollte.—
Der Segen war geſprochen und der Gottesdienſt geendet, und der Paſtor verließ die Kirche mit tiefbewegtem Gemuͤthe. Kaum konnte er zur Thuͤr gelangen, denn Alt und Jung draͤngte ſich um ihn herum, um ihn zu begluͤckwuͤnſchen und wenigſtens die Hand zu druͤcken, denn ziemlich Alle nahmen an des Paſtors Doppelfeſte innigen Antheil. Ja ſelbſt mehrere Gemeindemitglieder, die ihm zeither weniger wohlwollten, hatten alten und neuen Groll vergeſſen und reichten ihm ſtill die Hand.
Unſer guter Paſtor ward tief bewegt, als er bei dieſen Lie⸗ besbeweiſen und Achtungsbezeugungen an die vielen unguͤnſti⸗ gen Urtheile und feindſeligen Beſtrebungen dachte, welche er waͤhrend ſeiner amtlichen Thaͤtigkeit, und beſonders in der letzten
Zeit hier erfahren hatte.„Haͤtte ich doch nicht gedacht,“ ſprach
er vor ſich hin,„daß ich ſo viele Liebe in meiner Gemeinde be⸗ ſaͤße! O, daß doch ſo Mancher nur die Haͤlfte der Liebe und Theilnahme, womit er mich heute uͤberſchuͤttet, mir waͤhrend langer Jahre der Gleichgiltigkeit gezeigt haͤtte, ſo waͤre ich dop⸗ pelt froh in meiner Amtsthaͤtigkeit geweſen!— Wie wohl thut es doch zumal dem Geiſtlichen, ſich geliebt und geachtet zu wiſſen, und wie traurig iſt es gerade fuͤr den Seelſorger, der da weiß, wie wenig ein ungeliebter und geringgeſchäͤtzter Mann zu wirken im Stande iſt, wenn die ihm anvertrauten Seelen ihm Achtung verſagen, oder die edelſten Empfindungen, die Liebe und Dankbarkeit, ſo feſt in ſich verſchließen, daß ſie der nicht entdecken kann, deſſen hoͤchſte Freude es waͤre, ſich dankbar ge⸗ liebt zu wiſſen. Warum erblicke ich jetzt erſt das im vollen Maaße, was ich bisher theilweiſe ſo ſchmerzlich vermißte,— Liebe und Theilnahme, Achtung und Anerkennung?“—
Erfreut erblickte der Pfarrer auch den Schuhmacher Joſt 4
und mehrere ſeines fruͤheren Anhanges vor der Kirchthuͤr ſtehen, und trat zu ihnen hin und rief ihnen ein herzliches„Willkommen im Gotteshauſe!“ entgegen. Joſt aber neigte ſich zu ihm hin


