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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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zwanzig Jahren, wie fuͤhlte ſie ſich doch in dem Gedanken ſo gluͤcklich, eines wuͤrdigen Pfarrers Frau zu ſein!Und wie lieb ſie ihn Alle haben, ſagte ſie leiſe und mit freudigem Stolze,aber ich habe ihn doch noch lieber, als ſie Alle; ſetzte ſie innig hinzu,denn Keiner von Allen kennt ſo mei⸗ nen geiſtlichen Eheherrn, als ich.

Es war fuͤr den Pfarrer ein ganz eigenthuͤmliches Gefuͤhl, als er heute zum erſten Male hinaus trat an den Altar und ſeiner Gemeinde den apoſtoliſchen Gruß zurief:der Herr ſei mit Euch, und das Chor ihm antwortete:Und mit Deinem Geiſte. Ach, er fuͤhlte es tiefer als je, wie der Herr mit Seinem Geiſte troͤſtend und ſtaͤrkend dem Geiſtlichen nahe ſein muͤſſe, wenn ſein ſchwieriges Wirken ein geſegnetes ſein ſolle.

Die Kirche war gedraͤngt voll, und man ſang das herr⸗ liche Lied:

Wie getroſt und heiter, Du Gebenedeiter,

Machſt du meinen Geiſt, Der du, die dir trauen, Führſt zu grünen Auen, Und ſo gern erfreuſt. Niemals wird

Bei dir, mein Hirt,

Und Beruhiger der Seelen, Mir Erquickung fehlen.

worauf unſer Paſtor nach dem Texte aus dem Evangelium Johannis, Cap. 10, von dem guten Hirten und im Namen des guten Hirten, der den Dienern der Kirche befiehlt, Seine Laͤm⸗ mer zu weiden zu den verſammelten Chriſten ſprach, und den Gedanken weiter ausfuͤhrte, wieChriſtus, der gute Hirt, noch immer mit Seinem Worte Seine Heerde weide durch Seine Stellvertreter in Haus, Schule und Kirche, Aeltern, Lehrer und Geiſtliche.

So iſt alſo, rief der Prediger am Schluſſe ſeines erhe⸗ benden Vortrages,wie das Haus, wie die Schule, ſo auch die Kirche gleichſam ein Weideplatz des guten Hirten! So iſt alſo jede ſonntaͤgliche Erbauungsſtunde im Gotteshauſe gleichſam ein Haltepunkt fuͤr die Heerde Chriſti, ein Abſchnitt in der Le⸗ bensreiſe auf der Wanderung zum Himmel, wo die Wanderer,