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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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gen! Da ergriff mich eine heilige Begeiſterung, und ich be⸗ kannte ſtolz und freudig, daß ich mich nicht ſchaͤme, des Evangeliums von Chriſto, das eine Kraft Gottes iſt, ſelig zu machen Alle die daran glauben. Ja Mutter, da lauſchten die Alten, die mich als kleinen Knaben gekannt hatten, der jungen Glaubensfreudigkeit des angehenden Prieſters; da hing Jung und Alt andaͤchtig an des jungen Mannes Lip⸗ pen! Ach, das war ein ſchoͤner, ſeliger Tag! Gott aber hat mein Geluͤbde gehoͤrt, das ich damals gethan, ein treuer Ver⸗ kuͤnder ſeines heiligen Evangeliums zu werden! Wie oft, Mutter, bin ich ſeitdem wieder auf die Kanzel getreten, wie oft habe ich am Altare des Herrn Geheimniſſe verwaltet, wie oft habe ich gepredigt von Chriſto, dem Sohne Gottes, der in die Welt kommen iſt, die Suͤnder ſelig zu machen, Chri⸗ ſtum gepredigt an Graͤbern und an Krankenbetten, am Tauf⸗ ſteine und am Traualtar, im Beichtſtuhle und in der Schule, und niemals, nie hat michs gereut, ein Diener des goͤttlichen Wortes geworden zu ſein! Denn ſo oft ich die heiligen Sacra⸗ mente verwaltete, ſo oft ich von Ihm geſprochen habe, der uns von Gott gemacht iſt zur Weisheit und Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erloͤſung, da habe ich es deutlich in mir gefuͤhlt, wie Er, den ich predige, deſſen Leib und Blut ich den Glauͤbigen reiche, mir vor allen ein Erloͤſer und Selig⸗ macher geworden iſt! Mutter, rief der fromme Paſtor in Be⸗ geiſterung,das iſt gewißlich wahr, ſo Jemand ein Bi⸗ ſchofsamt begehret, der begehret ein koͤſtliches Werk. Ich danke Gott, dem Vater, und meinem Herrn und Heilande von ganzem Herzen, daß er mich wuͤrdig geachtet hat zum Arbeiter in ſeinem Weinberge, zum Biſchof und Aufſeher uͤber ſeine Ge⸗ meinde, daß ich Seelen bekehren ſoll zu dem goͤttlichen Hirten und Biſchof unſerer Seelen! Herr mache mich wuͤrdig der troͤſt⸗ lichen himmliſchen Verheißung Deines Wortes, ſetzte er be⸗ geiſtert hinzudaß die Lehrer leuchten ſollen, wie des Himmels Glanz, und die ſo Viele zur Gerechtigkeit weiſen, wie die Sterne immer und ewiglich! 4

Vergißt Du denn aber ganz, daß heute unſre ſilberne Hochzeit auch iſt? bemerkte die Pfarrfrau ſchuͤchtern.

O nein, Du Liebe, verſetzte der Paſtor mild,Haben

doch eben der Frieden im Hauſe, ſo wie mein ſtilles wahres

Familiengluͤck meinen oft rauhen beſchwerlichen Berufsweg