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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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Gruft geſenkt worden waren, deren ſterbliche Huͤllen rings um in den Gruͤften ſchliefen, ſie Alle dachte er ſich im Geiſte nahe

in der Abendſtunde! Wie der Hausvater mit leiſem Tritte

in die Schlafkammer der Seinen ſchreitet, daß die Kindlein

nicht erwachen; wie er mit Wonne auf die friedlichen Schlaͤfer

blickt, die bis zum ſchoͤnen Erwachen ringsum ruhig ſchlummern,

wie er ſich gluͤcklich fuͤhlt im Kreiſe der Seinen; alſo wars

unſerm guten Paſtor in dem Kirchlein ſeines Dorfs; in der

Mitte der todten Gemeinde!

Und an den Stufen des Altars ſank er auf die Kniee und betete zu dem Gott der Todten und Lebendigen, betete fuͤr ſich und die Entſchlafenen! Da ergluͤhte noch einmal im Abend⸗ ſchimmer das Chriſtusbild auf dem Altar und der Wiederſchein verklaͤrte des Prieſters Antlitz, der vor dem unſichtbaren Herrn auf den Knien betend lag. Und es ſenkte ſich Frieden in ſeine Seele; die bewußte Naͤhe des Herrn verdraͤngt auch die Muth⸗ loſigkeit.

Herr, rief er,ſiehe hier an dieſem Taufſteine ward ich Dir geweiht, hier ſchwur ich einſt als Knabe Dir treu zu ſein im Leben und im Sterben. Hier wardſt Du im Brod und Weine mein geiſtiges Eigenthum! Hier ward ich durch des Vaters ſegnende Hand zum heiligen Prieſteramte eingeweiht! Hier habe ich Dein Wort verkuͤndet fuͤnf und zwanzig lange Jahre, und auch mein Herz hat hier Deine Naͤhe und Dei⸗ nes Geiſtes Kraft empfunden. Dank Dir, Herr, fuͤr Deiner Gaben reiche Fuͤlle. Dank Dir fuͤr alle die ſeligen Stunden, die ich in Deinem Hauſe verleben durfte!

Er ſtand auf; der Abend hatte ſich vollends hernieder ge⸗ ſenkt, aber der gute Paſtor konnte ſich von ſeiner Kirche noch nicht trennen. Er ſetzte ſich, muͤde von geiſtigen und koͤrper⸗ lichen Anſtrengungen und Aufregungen des Tages in einen Kirchenſtuhl, ſtuͤtzte den Kopf mit der Hand, und gab ſich ſei⸗ nen Betrachtungen hin.

Er ſchaute hinauf zu der Kanzel, auf welcher er ſo lange Gottes Wort verkuͤndet hatte, er blickte empor zu den leeren Sitzen der ſonſt mit andaͤchtigen Chriſten gefuͤllten Emporkir⸗ kirchen, wie oft hatte er dort geſtanden und gepredigt und was war die Folge geweſen? Die alte Muthloſigkeit draͤngte ſich mit einem Male wieder in ſeine Seele! Hatten etwa in ſeiner Gemeinde die Laſter aufgehoͤrt? Waren ſeine Kirchkinder