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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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erſt wirkliche Ruhe und Frieden findet; ſo gedachte auch der Pfarrer lebhafter als je an die Zeit, wo der Herr auch ihn aus ſeinem Wirkungskreiſe zur ewigen Heimath abrufen werde.

Vielleicht iſt mein Tagewerk bald hier vollendet, ſagte der Prediger leiſe.Wie wird mir dann ſein, wenn mir einſt die Glocken den Todtengruß ſingen, wenn meine irdiſche Laufbahn geſchloſſen, und ich, der Prediger der Gerechtigkeit, treten ſoll vor den, der mir Amt und Auftrag gab zu predigen?

Er gedachte der letztern Zeiten, der mancherlei Freuden, aber auch der zahlreichen Schattenſeiten des geiſtlichen Berufs, wie ſie ja auch in der Menſchen Leidenſchaften, ihren Fehlern, ihrem Mißtrauen, die neueſte Erfahrung hatte es ihm gelehrt, ihren Grund haben.

Wie viel Sorgen und Wachen, dachte der Paſtor mit innerer Bewegung,wie viele Entſagungen und Beſchwer⸗ den, wie vieler Segen und wie vieles Mißlingen, Lob und Ta⸗ del, Ehre und Schmach, wie viele Kaͤmpfe und Siege werden wohl noch zwiſchen heute und jenem Tage liegen, wo ich den Hirtenſtab zuruͤckgeben ſoll in des Heilands Haͤnde? Werden auch an meinem Grabe einſt die Thraͤnen meiner Beichtkinder fließen, und ihre Segenswuͤnſche mich begleiten? Wie oft, dachte er weiter,hat nicht der Klang der Glocken, der heute an mein Ohr ſchlaͤgt, den treuen Seelſorger, deſſen Huͤlle hier modert, gerufen zum Gebet, gerufen zu den heiligen Handlungen der Kirche, gerufen zu den Saͤrgen der Todten? Und zuletzt trugen ſie den greiſen Seelenhirten unter dem Klange derſelben Glocken hinaus, und ſenkten ihn hinab in die Gruft, und ſteckten das Kreuz auf den friſchen Grabeshuͤgel, als das Zeichen unter dem der Hirt und Fuͤhrer der Gemeinde gekaͤmpft und geſiegt hatte! Und wiederum erklangen dieſelben Glocken, und man legte die Traͤger zu dem todten Pfarrer, und ringsum verſam⸗ melte ſich nach und nach die ganze Gemeinde, die einſt mit ihm lebte, von ihm lernte, durch ihn geheiligt ward. Die im Leben nahe Stehenden ſollte weder hier noch dort der Tod trennen; der Seelenhirt liegt inmitten der Seinen und ein Andrer iſts, der an ſeiner Stelle die Lebenden und Todten ſegnet! Ein Andrer iſts, der da fortſetzt, was der Erſte begonnen, und ein andrer Seelſorger erntet, wo der Vorgaͤnger geſaͤt! Ein Andrer wird auch nach mir ernten! Moͤge Er, ſeufzte der Paſtor,da nach mir die Fruͤchte finden, wo ich keine ſah.