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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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ſtellung der Pfarraccidenzien fuͤr meine Amtsarbeiten, und der unſelige Streit wegen des Stuͤckchens Grund und Boden, deſ⸗ ſen Eigenthumsrecht die Gemeinde dem Pfarrer beſtreitet.“—

„Nicht die Gemeinde iſt's, Herr Paſtor,“ warf der Schul⸗ meiſter ein,—„Einer, Zwei ſinds, die leider gerade an der Spitze ſtehen. Ich bin auch uͤberzeugt, der Gemeindevorſtand haͤtte nichts ausgerichtet, wenn ſie nicht ungluͤcklicherweiſe einem gewiſſen— loſen Advokaten in die Haͤnde gerathen waͤren, der die Bauern gegen Sie aufhetzte, den Eigennutz und die Rechthaberei rege machte, und die Vorſteher der Gemeinde auf ihrem vermeintlichen Rechte beharren ließe. Die Gemeinde weiß nichts davon!“—

„Welch ein ſchoͤnes Verhaͤltniß beſtand zwiſchen mir und der Gemeinde,“ ſagte der Paſtor,„ehe jene Zwiſtigkeiten entſtan⸗ den! Darf ich denn willkuͤrlich durch Nachlaß an den geſetz⸗ maͤßigen Anſaͤtzen fuͤr die amtlichen Arbeiten meines geiſtlichen Amtes, oder durch Verſchenkung eines Theils des Pfarrgrund⸗ beſitzes, die Einkuͤnfte des Amtes verkuͤrzen? Ich darf nicht, wenn ich auch wollte und koͤnnte! Iſt doch das Alles Sache der Behoͤrde;— ſie entſcheidet, nicht ich;— mich aber laͤßt man ungerechter Weiſe die Entſcheidung entgelten, die mir Recht giebt, und meine Anſpruͤche beſtaͤtigt, waͤhrend die Gemeinde abgewieſen wird, als wenn ich irgend Etwas davon oder dazu haͤtte thun koͤnnen! Mich verſchreit man als einen eigennuͤtzigen Mann! Sollte denn ein einziger, vielleicht nur eingebildeter Verluſt an Geld und Gut,— der fuͤr den Einzelnen ſo klein iſt, daß er nicht der Rede werth iſt,— mir die Herzen meiner Beichtkinder erkaͤlten?“—

„Nein, nein,“ betheuerte der Schulmeiſter,„ich habe viele, viele Stimmen gehoͤrt, welche das Benehmen des Gemeinde⸗ vorſtands bei den vermeintlichen Forderungen hoͤchlichſt mißbil⸗ ligen, und Sie bedauern. Und jetzt, glauben Sie mir, iſt man ziemlich allgemein auf Ihrer Seite.“—

„Nichts hat mich tiefer geſchmerzt,“ fuhr der Paſtor fort, „als die laut ausgeſprochenen Drohungen jener Gemeindevor⸗ ſtaͤnde, nicht mehr zur Beichte zu gehen, um mich ſo durch Ent⸗ ziehung des Beichtgeldes zu ſtrafen. Sagen Sie mir, Herr Schulmeiſter, habe ich denn zu jenem Argwohn irgend wie Ur⸗ ſache gegeben? Es waͤre mir ſelbſt lieber, wenn gerade das Beichtgeld nicht mit zu des Pfarrers geſetzlichen Einkommen gehoͤrte; allein ſo lange das ſich nicht aͤndern laͤßt, wird ſich kein