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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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das Geld mußte am andern Tage geſchafft werden,— und Niemand, auch nicht der Schwiegervater Georg, hatte ihm borgen wollen, und Ueberdruß am Leben uͤberhaupt, das ſo fort⸗ zufuͤhren, fuͤr die Zukunft unmoͤglich war,— hatten ihn zu dem ſchrecklichen Entſchluſſe gebracht. Nicht gehalten durch den Gedanken an Gott, war ihm das Leben eine Laſt, die er glaubte, wegwerfen zu duͤrfen, wenn ſie ihm zu ſchwer wuͤrde! Auch den Pfarrer hatte dieſer, in der ganzen Gegend Auf⸗ ſehen erregende Trauerfall, ungemein ergriffen. Machte er ſich doch immer noch vorwurfsvolle Gedanken daruͤber, ob der Ungluͤckliche nicht doch noch von ſeinem Vorhaben haͤtte ab⸗ gebracht werden koͤnnen, wenn er anders, eindringlicher zu ihm geſprochen haͤtte, und das ließ ihn zu keiner rechten Ruhe kommen. Wenn er freilich wieder bedachte, wie viel der Todte in der Gemeinde geſchadet, wie namentlich Unkirchlichkeit und Religionsſpoͤtterei durch ihn gar merklich gefoͤrdert, wie das fruͤhere ſo gute Verhaͤltniß zwiſchen dem Geiſtlichen und der Gemeinde gerade durch ihn geſtoͤrt, und ſeiner Wirkſamkeit die groͤßten Hinderniſſe entgegengeſtellt worden waren, ſo erſchien es ihm wie eine Schickung Gottes, die ihn von dieſem gefaͤhrlichen Widerſacher befreit hatte. Aber dennoch blieb bei alledem ein peinigendes Gefuͤhl zuruͤck, ſo oft er an die beiden Bruͤder Brenz, den Gemeindevorſtand und den Sauͤfer und ihren alten Vater dachte, daß Einige von den ſeiner Seelſorge Anbefohlnen ſo tief gefallen waren, uͤnd auf ſo viele Andere, trotz ſeiner eifrigen geiſtlichen Amtsfuͤhrung, einen ſo ſchlim⸗ men Einfluß gehabt hatten. Dieſe geiſtlichen Bekuͤmmerniſſe hatten auch auf die leibliche Geſundheit des Paſtors einen hoͤchſt nachtheiligen Einfluß gehabt. Alte Koͤrperleiden kehrten mit erneuter Kraft zuruͤck und druͤckten Koͤrper und Geiſt nieder, und verſetzten unſern Paſtor in eine ſo muthloſe Stimmung, wie er ſie fruͤher nie gekannt hatte. So kam es, daß er, im⸗ mer nur an die truͤben Erfahrungen denkend, auch nur die Schattenſeiten der geiſtlichen Wirkſamkeit lebhafter als je be⸗ trachtete, und, waͤhrend er nur das Betruͤbende im Sinne hatte, das Erfreuliche uͤberſah, und matter und unſelbſtſtaͤn⸗ diger, als gewoͤhnlich, die eigne Kraft geringſchaͤtzend, in Kla⸗ gen ſich ergoß.— Betruͤbten Herzens hatte der Pfarrer ſich eines Abends auf die ſteinerne Bank am Schulhauſe niedergeſetzt, als der 8