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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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habe mir's einmal vorgenommen, ich gebe keinen Pfennig mehr— und was ich einmal will, da ziehen zehn Pferde kei⸗ nen Strang.“— Der Pfarrer mußte unverrichteter Sache wieder fortgehen. Aber er konnte nicht nach Hauſe gehen;— es trieb ihn, den Gemeindevorſtand noch einmal aufzuſuchen, und ihm mit Rath und Troſt wenigſtens beizuſtehen.

Raſch ging er jetzt durch das Dorf, und betrat mit eini⸗ gem Herzklopfen das Haus des Gemeindevorſtandes. Die Frau deſſelben wußte Nichts, als daß ihr Mann in der Stadt hewveſen war, und ſie erſchrak faſt uͤber des Pfarrers Haſtig⸗ eit. 4

Schonend ſuchte der Pfarrer die ſehr niedergeſchlagene Frau uͤber ihre Verhaͤltniſſe auszufragen; ſie wich ſichtlich aus, war aber hoͤchlichſt erſtaunt, als der Pfarrer ihr ſagte, daß ihr Mann wegen Geldes bei ihm geweſen waͤre.—

Der Pfarrer wartete lange; der Gemeindevorſtand kam nicht; endlich ging er, betruͤbt und verſtimmt, unverrichteter Sache wieder nach Hauſe zu kommen.— Am Hofthore ſtand der Kutſcher; der vertraute ihm, daß der Herr heute in der Stadt geweſen und wieder viel geſpielt habe. Das war Alles, was er erfuhr.———

Spaͤt Abends kam der Gemeindevorſtand nach Hauſe, duͤſter— aber nuͤchtern,— eine Seltenheit, und die Frau ging ihm froͤhlich,— ſchoͤne Hoffnungen hegend,— entgegen. Sein Blick ſchlug ſie augenblicklich wieder nieder.—

„Der Herr Paſtor war da,“— ſtotterte ſie, und ſchlug die Augen vor des Mannes ſtechenden Blicke nieder.—

„Hat er Geld gebracht?“ rief er haſtig.—

„Nein,“ verſetzte die Frau traurig;„aber er laͤßt Dich bitten, morgen zu ihm zu kommen;— was er habe: Rath, Troſt, Liebe ſollſt Du bei ihm finden— Du ſollſt nur Gott vertrauen.“—

„Gott!“— ſagte der Mann mit ſchneidender Kaͤlte,— aber er ſetzte nichts weiter hinzu, und zwang ſich, feſt zu er⸗ ſcheinen, ſo daß die Frau erſchrocken ſchwieg und aͤngſtlich an ſeinen kalten Zuͤgen hing, welche die innere Verzweiflung nur ſchlecht verbargen.

5„Was fehlt Dir?“ fragte ſie endlich zitternd und aͤngſt⸗ ich.—

Er antwortete nicht und warf ſich auf's Ruhebett hin.