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Der Landpfarrer : eine Schrift für das deutsche Volk / von Julius Kell
Entstehung
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Die Tochter des Thomas, Eliſabeth, hatte mit ihrem Kinde, einem lieblichen Maͤdchen, ebenfalls beim Vater und Bruder Wohnung gefunden, und ſich mit ihrer Haͤnde Arbeit durch Naͤhen und Waſchen erhalten. Aber wenn auch Vater und Tochter keine Urſache hatten, mit ihrem Schickſale unzu⸗ frieden zu ſein, ſo hatten ſie doch auch an dem ſchwerem Kreuze mitzutragen, was der Herr dem armen Bruder Johann auf⸗ erlegt hatte. Er war gluͤcklich verheirathet geweſen und hatte fuͤnf Kinder; aber Eins derſelben nach den Andern legte ſich hin und ſtarb, bis er kinderlos daſtand. Aerztliche Hilfe war ſchwer zu erlangen und koſtſpielig;— und als jetzt auch die Frau krank wurde, ſo wars doch vielleicht zu ſpaͤt, als man ſich entſchloß, die Ausgaben fuͤr den Doctor zu machen. Die Krankheit nahm uͤberhand, und trotz der ſorgſamſten Pflege mußte er dieſe treue Gefaͤhrtin auch begraben laſſen. Der ohnedem ſtille ja manchmal finſtre Mann, war dadurch nur noch ſtiller und finſtrer geworden. Er konnte ſich lange gar nicht zufrieden geben, wenn er Abends von der Arbeit nach Hauſe kam, und ihm kein munteres Kindlein mehr aus der Hausthuͤr entgegenſprang, kein rothbaͤckiges Kindergeſicht mehr aus dem kleinen Fenſter ihm entgegen laͤchelte, kein Kindesgruß, kein Vatername mehr ent⸗ gegen toͤnte. Das war ihm zu ſchrecklich geweſen, und er hatte nicht eher geruht, bis der Vater und Eliſabeth mit ihrem Kinde, welche im oberen Stocke gewohnt hatten, in ſeine Stube mit⸗ gezogen waren. Er wollte nur liebe Menſchen um ſich haben, und es war, als wenn Eliſabeth mit ihrem Kinde ihm den Ver⸗ luſt Etwas erſetzten. Er ſpielte mit dem Kinde nach vollbrach⸗ ter Tagesarbeit, er ließ ſich von dem Kinde Vater nennen, und laͤchelte doch wieder, wenn es die Haͤndchen verlangend nach ihm ausſtreckte. Nur zuweilen verfiel er wieder in ſeinen alten Truͤbſinn, namentlich wenn von der Familie Brenz die Rede war, die er fuͤr die mittelbaren Urheber Alles ſeines Ungluͤcks halten mochte, und es war vorgekommen, daß er ſelbſt das Kind von ſich geſtoßen hatte, das nur zufaͤllig einmal dem Na⸗ men ſeines Vaters, des Chriſtian Brenz, genannt hatte.„Du biſt auch ein Brenz,“ hatte er bitter ausgerufen,„und die Brenze ſind an allem unſerm Ungluͤcke Schuld. Waͤren die nicht ge⸗ weſen, waͤren wir wohlhabende Leute, und meine Kinder und meine Frau waͤren nicht ohne Arzt verkuͤmmert und geſtorben.“ Mehrere Tage hatte er dann das Kind nicht anſehen koͤnnen,