„Ein hoͤchſt achtbarer Mann,“ bemerkte der Prediger. „Schade nur, daß er gerade ſo viele ſcheinheilige Froͤmmler hatte kennen lernen, und darum alle auͤßerliche Froͤmmigkeit mißtrauiſch betrachtete.“
„Und leider auch verſpottete,“ ſagte die Mutter weh⸗ muͤthig.—
„Mutter,“ ſagte der Pfarrer,„ich habe Deinen Va⸗ ter als einen ſtreng rechtlichen Mann ſehr hochgeſchaͤtzt; aber wenn er ſelbſt ſich auch ohne ſolche auͤßere Froͤmmigkeit in ſich ſtark genug fuͤhlte und durch einen tiefen religioͤſen Sinn und inniges ſtrenges Rechtsgefuͤhl geleitet, rechtſchaffen lebte, ſo ver⸗ gaß er doch, wie viel auf ihn ſelbſt, wie viel auf Andre der be⸗ ſtaͤndig durch auͤßere Mittel, Gebet und Geſang, lebendig erhaltene Gedanke an Gott, zum Rechtthun einzuwirken im Stande iſt. Man weiß gar oft das Rechte, aber es fehlt im rechten Augenblicke die Kraft, es zu thun, es fehlt die An⸗ regung, die Ermuthigung, ſtark zu ſein im Kampfe gegen die Sunde, welche ein Gebet, ein frommer Geſang, oft vielleich ganz unerwartet, darbieten.“—
„In Deinem Hauſe erſt,“— fuͤgte die Gattin hinzu,— „habe ich erfahren, wie viel wir Kinder im Vaterhauſe hatten entbehren muͤſſen. Obs wohl unſre Kinder dankbar anerkennen werden, daß fromme Pfarrersleute ihre Aeltern waren, und ſie auch auͤßerlich religioͤs erzogen?“
„Gewiß,“ ſagte der Paſtor—„und wenn dann lebhafter als je bei ſolchen Erinnerungen das Bild treuer, frommer Ael⸗ tern, die wir vielleicht laͤngſt im Grabe ruhen, vor unſerer Kin⸗ der Seele tritt,— dann werden ſie es uns zu tauſend Malen danken, daß wir ſie den Weg Gottes gehen lehrten. Solche Erinnerungen werden das Kind durch das vielbewegte verfuͤh⸗ reriſche Leben leiten, gleich ſchuͤtzenden Engeln des Vaterhauſes, zu dem ewigen Vaterhauſe, wo ſie Vater und Mutter einſt wiederfinden. Wohl den Aeltern, deren Haus ein Tempel Got⸗ tes war, ſie werden im dankbaren Herzen ihrer Kinder immer fortleben.“—„O, Mutter,“ bat der Pfarrer geruͤhrt,„laß doch auch uns ſtreben, ſelber taͤglich beſſer, taͤglich freier von der Suͤnde zu werden, damit wir froͤhlich droben unſern frommen Aeltern entgegen gehen koͤnnen, die aus den Huͤtten der Seligen treuen Kinder ihre Haͤnde entgegenſtrecken.“„Wir kommen


